Maulkorbtraining und Maulkorbgewöhnung beim Hund

Leitfaden mit Schritt-für-Schritt-Anleitung, Tipps und Tricks vom Experten

Von: , Mammalia AG
Zuletzt aktualisiert am: 12.6.2024

Ein Rottweiler liegt mit Leine und Maulkorb auf dem Asphaltboden mit heraushängender Zunge und schaut in Richtung Betrachter..jpg

Das wichtigste in Kürze

  • Maulkorbtraining ist wichtig, um Hunden das Tragen eines Maulkorbs angenehm zu machen.
  • Gewöhnung und Training sind zwei verschiedene Ansätze: Beim Training wird eine positive Erwartungshaltung aufgebaut, während Gewöhnung bedeutet, dass auf einen Reiz weder negative noch positive Konsequenzen folgen.
  • Die Entscheidung für das Training oder die Gewöhnung hängt von individuellen Umständen wie dem Verhalten des Hundes und seiner Erfahrung mit anderen Ausstattungsgegenständen ab.
  • Bei akuter Verletzungsgefahr ist der sofortige Einsatz eines Maulkorbs unumgänglich.
  • Das Maulkorbtraining sollte behutsam und schrittweise erfolgen, idealerweise unter Anleitung eines erfahrenen Hundetrainers.
  • Das Maulkorbtraining sollte mit positiver Verstärkung und Geduld erfolgen, um ein angenehmes Tragen des Maulkorbs für den Hund zu erreichen.

Hast du schon unseren ausführlichen Artikel zum Thema "Maulkorb für Hunde – Alles, was Du dazu wissen solltest!" gelesen? Falls ja, bist du bereits mit den vielfältigen Gründen vertraut, warum das Tragen eines Maulkorbs in verschiedenen Situationen für jeden Hund relevant sein kann. Sei es aufgrund gesetzlicher Vorschriften während der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Dein Hund verletzungsbedingt Schmerzen hat und der Tierarzt sich bei der notwendigen Untersuchung schützen will. Daher ist es wichtig, dass dein Hund frühzeitig durch effektives Maulkorbtraining an einen gut sitzenden Maulkorb gewöhnt wird. Als Gedankenstütze kannst du gerne noch einmal in unseren Fachartikel reinschauen, wo du detaillierte Informationen und Tipps zu verschiedenen Maulkorbtypen erhältst.

Der Kauf eines Maulkorbs ist der erste Schritt, aber die Gewöhnung an den Maulkorb und das richtige Maulkorbtraining sind entscheidend. Dein Vierbeiner muss sich in kleinen Schritten mit dem neuen Beißschutz vertraut machen und ihn bestenfalls akzeptieren und sogar lieben lernen. Das Ziel des Maulkorbtrainings ist es, dass dein Hund den Maulkorb genauso selbstverständlich akzeptiert wie die Leine und das Tragen als angenehme Normalität empfindet.

In unserem folgenden Artikel erklären wir den Unterschied zwischen Maulkorbgewöhnung und Maulkorbtraining und geben dir eine konkrete Anleitung, wie du deinen Hund behutsam an den Maulkorb heranführen und erfolgreich das Tragen trainieren kannst.

Lass uns jetzt gemeinsam mit dem Maulkorbtraining beginnen, um keine Zeit zu verlieren. Wir wünschen dir viel Erfolg dabei. Im Zweifelsfall empfehlen wir dir, einen erfahrenen Hundetrainer als Trainingspartner hinzuzuziehen.

Ein Hund der Rasse Deutscher Schäferhund mit Maulkorb, Leine und Polizei-Hundegeschirr seitlich fotografiert.

Was unterscheidet Maulkorbtraining von der Gewöhnung?

Neben der Tatsache, ob der Maulkorb überhaupt getragen werden sollte oder nicht, wird auch oft diskutiert, ob der Hund daran gewöhnt werden muss – oft kommt die Frage auf, ob der Maulkorb „antrainiert“ werden sollte.

Der Begriff Gewöhnung (auch Habituation) stammt aus der Biologie und beschreibt einen Vorgang, bei dem die Reaktion auf einen Reiz schwächer wird und letztlich ausbleibt, je häufiger er angeboten wird (Gansloßer et al. 2020). Dies ist dann der Fall, wenn Reize keine oder nur wenig Informationen liefern (Campell & Reece, 2006).

Streng genommen muss also eine Gewöhnung vom Training unterschieden werden.

Bei ersterem sollten die Konsequenzen des Reizes (in unserem Fall der Maulkorb) weder positiv noch negativ sein. Beim Maulkorbtraining hingegen wird dem Hund immer wieder eine Belohnung dargeboten, sodass hier mit dem Maulkorb eine Erwartungshaltung einhergeht und eben keine Gewöhnung im ursprünglichen Sinne stattfindet.

Unterschied Training und Gewöhnung auf einen Blick:

Mir ist noch einmal ganz wichtig zu betonen, dass es einen Unterschied zwischen Training und Gewöhnung gibt. Über Training baue ich eine positive Erwartungshaltung auf – diese schließt eine Gewöhnung aus. Gewöhnung funktioniert nur, wenn auf einen Reiz weder negative noch positive Konsequenzen folgen.

Das kann man immer schön bei der Klingel sehen: Wenn es immer nur klingelt, wenn jemand kommt und der Besuch die Hunde immer freundlich begrüßt, steigt die Erwartungshaltung. Die Hunde fangen an, immer zu bellen, wenn es klingelt. Es tritt also keine Gewöhnung an die Klingel ein (durch die positive Konsequenz), sondern eine Sensitivierung (die Hunde reagieren vermehrt auf die Klingel).

 

Die Frage, ob nun ein Training oder eine Gewöhnung im Hinblick auf das Tragen eines Maulkorbs sinnvoll sind, soll im Folgenden anhand von zwei Fragen geklärt werden:

Besteht durch meinen Hund akute Verletzungsgefahr für mich oder mein Umfeld (andere Menschen oder Hunde?)

  • Antwort: Nein (weiter zu Frage 2)

  • Antwort: Ja

    • Der sofortige Einsatz des Maulkorbs ist unumgänglich. Besteht Verletzungsgefahr, sollte immer die eigene Sicherheit oder die Sicherheit anderer an erster Stelle stehen. In dieser Situation bleibt keine Zeit für Training oder Gewöhnung und der Maulkorb muss direkt eingesetzt werden. Letztlich muss hierzu aber festgehalten werden, dass der Stress, der mit dem Anlegen des Maulkorbs in der Problemsituation selbst einhergeht, nicht nur hätte vermieden werden können, sondern durch ein frühzeitiges Trainieren oder Gewöhnen durch den Halter oder die Halterin hätte vermieden werden MÜSSEN. Die Verantwortung, den Hund vor unnötigem Stress zu schützen, obliegt dem Halter oder der Halterin. Zu dieser Verantwortung gehört eben auch, dem Hund das Tragen des Maulkorbs näher zu bringen und ihn nicht in brenzligen Situationen durch vermeidbaren Stress zusätzlich zu belasten.

Habe ich mit meinem Hund auch ein spezielles Training mit anderem Hundezubehör gemacht und hatte er damit Probleme?

  • Antwort: Ja

    • Es spricht nichts dagegen, ein Training zum Tragen des Maulkorbs anzugehen, wie es mit allen anderen Ausstattungsgegenständen (z.B. Leine, Halsband, Geschirr, Regenmantel etc.) auch getan wurde. Es scheint so, dass der Hund auf verschiedene Reize, die mit dem Tragen von notwendigen Utensilien verbunden sind, empfindlich reagiert. In diesem Fall kann dem Hund das Tragen des Maulkorbs mithilfe eines Maulkorbtrainings angenehmer bereitet werden (s. Abschnitt Maulkorbtraining).
  • Antwort: Nein

    • Wenn der Hund mit anderen Ausstattungsgegenständen schon keine Schwierigkeiten (Bewegungslosigkeit, nach einiger Tragezeit noch Schütteln etc.) hatte, ist es sehr gut denkbar, dass auch der Maulkorb den Hund nicht sonderlich beeindrucken wird. In diesem Fall kann überlegt werden, kein Maulkorbtraining, sondern eine Gewöhnung an den Maulkorb anzustreben. Hierzu kann dem Hund der Maulkorb in einer entspannten Situation angelegt werden. Direkt hiernach wird der Hund dann animiert, sich zu bewegen (z.B. im Hoppsalauf weglaufen und den Hund zu einem Rennspiel animieren) oder eine Aufgabe geben zu lösen (irgendein Kommando). Kurz darauf wird der Maulkorb wieder abgezogen. Die Tragedauer wird dann nach und nach langsam gesteigert, sodass es den Hund am Ende nicht stört, den Maulkorb zu tragen.

Alternative

In der Verhaltensbiologie stellen immer bessere Untersuchungsmethoden die Forscher*innen auch immer wieder vor neue Herausforderungen.

So kann man heute dem Hundegehirn beim Arbeiten zuschauen, indem Hunden verschiedene Reize dargeboten werden, während sie in einem funktionellen Magnetresonanztomograph (in Originalstudien als fMRI bezeichnet) liegen. Die Problemstellung hierbei war, dass die Hunde knapp acht Minuten bei vollem Bewusstsein in der „Röhre“ liegen müssen – und das auch noch freiwillig.

Die Forscher*innen aus dem Team rund um Márta Gácsi haben sich hierbei für die Methode „Model Rival“ entschieden. Hierfür wurde ein (Hunde-)Modell trainiert – ein Hund, der über die Zeit im MRT stillliegen konnte. Nun wurde das Modell mit einem anderen Hund in den Raum gebracht, der das Stillliegen noch lernen sollte, wir bezeichnen diesen mal als Lehrling. Nun musste der Lehrling zuschauen, wie das Modell in die Röhre durfte und dafür gelobt und gestreichelt wurde. Nun wurde das Modell „entlassen“ und geschaut, was denn der Lehrling macht. Und siehe da: Die Lehrlinge sind freiwillig auf die Trage gesprungen und wollten auch gelobt werden und etwas so toll können, dass alle sich freuen. Die bewusst erzeugte positive Atmosphäre war dann für die Hunde Motivation genug, gerne mitzuarbeiten (Gansloßer & Kitchenham, 2019).

Dieses Konzept können wir uns beim Tragen des Maulkorbs zunutze machen: Ein Hund, der den Maulkorb kennt und diesen problemlos trägt, kann als Modell für denjenigen dienen, der den Maulkorb noch nicht kennt. Überträgt man dies auf den Hundealltag, so können Hundebesitzer mit Mehrhundehaushalt einzelne Hunde, die bereits länger dem Rudel angehören und problemlos einen Maulkorb tragen, diese als Vorbild für einen hinzukommenden Hund in Bezug auf das unkomplizierte Heranführen an das Maulkorbtragen nehmen.

Tipp:
Egal, ob man sich für die Gewöhnung, das Training oder „Model Rival“ entscheidet – bei allem sollte ein kompetenter Hundetrainer oder eine kompetente Hundetrainerin zur Seite stehen. Bei allen Methoden ist das Risiko für Fehler sehr hoch und kann schlussendlich dazu führen, dass der Hund das Tragen des Maulkorbs hiernach nicht als angenehmer, sondern als unangenehmer empfindet. Dennoch sollte sich jeder Hundehalter oder jede Hundehalterin für eine Methode entscheiden. Wenn der Mensch den Hund nicht an das Tragen des Maulkorbs gewöhnt oder dieses trainiert, muss der Hund die Konsequenzen des menschlichen Versäumens tragen.

Ist das Maulkorbtraining sinnvoll?

Definitiv sind sowohl das Maulkorbtraining wie auch die Maulkorbgewöhnung für den Hund sinnvoll. Das Argument vieler, dass sie den Maulkorb niemals brauchen werden, lasse ich als Ausrede nicht gelten. Zum einen sollte man niemals nie sagen. Zum anderen schadet es dem Hund nicht, das Tragen des Maulkorbs zu kennen. Meine eigenen Hunde können auch das Kommando „Platz“ ausführen – gebraucht habe ich diese jedoch noch nie!

Ein Deutscher Schäferhund mit Gittermaulkorb sitzt auf der Wiese und dreht sich nach hinten um.

Alles was Du zum Maulkorbtraining beachten und wissen musst

Um den maximalen Trainingserfolg in Sachen Maulkorbgewöhnung und Maulkorbtraining mit Deinem Hund einspielen zu können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Eine gute Planung und Ausführung ist das A und O – wir sagen Dir was Du in Sachen Maulkorbtraining beachten solltest.

Vorbereitung für das Maulkorbtraining

  • Trainiere nur mit Deinem Hund, wenn dieser fit und gesund ist.
  • Vor dem Trainingsstart sollte der Hund Gelegenheit gehabt haben, sich nochmals zu Lösen.

Notwendiges Equipment für das Maulkorbtraining

  • Geeigneter und gut sitzender Maulkorb, der Deinem Vierbeiner ausreichend Platz zum Atmen, Hecheln und Trinken gibt. 
  • Bei positiver Verstärkung mit Futterbelohnungen: Leckerchentasche oder Futterbeutel mit Leckereien.
Achtung:
Auf keinen Fall Maulschlingen bzw. Maulschlaufen verwenden, da diese das Hecheln und damit die lebenswichtige Thermoregulation einschränken. Alles was Du zum Maulkorb wissen solltest, kannst Du in unserem ergänzenden Leitartikel nachlesen.

Ideale Voraussetzungen für das Hundetraining schaffen

Es ist wichtig, für optimale Trainingsbedingungen rund um das Training zum Maulkorbtragen zu sorgen. 

Achte deshalb auf die nachfolgenden Punkte, um optimale Trainingsvoraussetzungen zu haben:

  • Idealerweise wird das Maulkorbtraining in einer reizfreien Umgebung ohne Störungen stattfinden, damit der Hund nicht abgelenkt wird, sondern sich voll und ganz auf das Heranführen und den Umgang mit dem Maulkorb einlassen und konzentrieren kann.
  • Vermeide Stress und Hektik. Gehe möglichst ruhig und positiv gestimmt vor, denn bist Du nervös, ängstlich oder Deine Stimmung ist betrübt, so überträgt sich dies auf Deinen Hund. 
  • Nehme Dir für die Trainingseinheit ausreichend Zeit, damit Du mit Deinem Hund den bestmöglichen Lernerfolg erzielen kannst.
  • Apropos Zeit: Überfordere Deinen Hund nicht. Kurze und intensive Trainingsintervalle sind ideal. Dein Hund braucht Pausen, um entspannen und die Trainingsinhalte verarbeiten zu können. 
  • Sei stets aufmerksam bei der Sache, beobachte das Ausdrucksverhalten Deines Hundes, um auf dessen Signale angemessen einwirken und reagieren zu können.
  • Motiviere Deinen Hund mit Lob und einer verhaltensverstärkenden Belohnung, sei es ein schmackhaftes Leckerchen oder eine intensive Streicheleinheit, wenn das erwünschte Verhalten gezeigt wurde.
  • Nicht mit der Brechstange: Stellt sich der Lernerfolg nicht wie gewünscht ein oder Dein Vierbeiner hat überhaupt keine Lust aufs Maulkorbtraining, so breche das Training ab und versuche Dein Glück später oder an einem anderen Tag nochmals. Denn auch Dein Hund kann mal einen schlechten Tag fürs Maulkorbtraining erwischen.

Maulkorbtraining für Hunde – Schritt für Schritt Anleitung

Nun kann es mit dem Maulkorbtraining losgehen. Die nachfolgenden Trainingsschritte bauen auf dem Einsatz der Futterbelohnung via Leckeli auf. 

Diese Trainingsanleitung ist nur eine mögliche Variante und hat das Ziel, dass Dein Hund das Tragen an den Maulkorb durch die nachfolgenden Trainingsschritte lernt. Unerfahrenen Hundehaltern empfehlen wir unbedingt auf die Mithilfe erfahrener Hundetrainer:innen zurückzugreifen, um von Beginn an das Maulkorbtraining richtig umzusetzen und möglichst Fehler zu vermeiden. Denn hat der Hund erst einmal durch die falsche Handhabung und Herangehensweise Vorurteile gegen den Maulkorb aufgebaut, so wird es umso schwerer, wieder nachhaltig das notwendige Vertrauen gegenüber dem Beißschutz zu fördern.

Das Maulkorbtraining dient dazu, dass Dein Hund einen positiven Kontakt zu seinem neuen Accessoire aufbaut. Da es sich um einen unbekannten Gegenstand für Deinen Vierbeiner handelt, sollte der Umgang einen positiven Eindruck hinterlassen. Lass Deinen Hund langsam auf Tuchfühlung gehen und verknüpfe das Kennenlernen und den Beziehungsaufbau mit affirmativen Dingen wie Lob, Leckerchen oder Streicheln, damit der Prozess des Heranführens als tolles Erlebnis bewertet wird.

Schritt 1: Trainingsziel Maulkorb + Leckerchen = positives Erlebnis

Wir starten Zuhause im Wohnzimmer, da sich Dein Hund hier in einer vertrauten Umgebung befindet und mögliche Außengeräusche auf ein Minimales reduziert sind. Trainiere mit Deinem Hund, wenn Du alleine bist, um Ablenkungen durch Dritte zu vermeiden.

Nehme den Maulkorb Deiner Wahl. Es bietet sich z.B. ein passgenauer Gittermaulkorb an.

Lege nun ein schmackhaftes Leckerchen in den Maulkorb, den Du in Deiner Hand hältst. Spreche Deinen Hund gezielt an und motiviere ihn zu Dir und dem Maulkorb zu kommen. Halte den Maulkorb entspannt und locker, vermeide hektische Bewegungen, um Deinen Hund nicht zu verschrecken. Sobald er nah genug ist, wird Dein Hund sicherlich mit seiner exzellenten Spürnase den Maulkorb beschnüffeln und das leckere Häppchen riechen. Motiviere ihn mit der Schnauze tiefer in den Maulkorb „hineinzutauchen“, um die Leckerei aufnehmen zu können. Unterstütze das erwünschte Verhalten mit lobenden Worten. Hat Dein Hund seine Futterbelohnung gefressen, ziehe den Maulkorb vorsichtig weg und verstecke ihn, sodass Dein Vierbeiner diesen nicht mehr sieht. Dieser Schritt ist wichtig, um das Training zu beenden und die Trainingssituation aufzulösen. Nun gönnen Deinem Hund eine Pause, denn die Trainingssituation hat ihn kognitiv stark gefordert und angestrengt. Nach ein paar Minuten kannst Du den nächsten Versuch starten. Wiederhole diesen Trainingsschritt beim Maulkorbtraining mehrfach, bis das Verhalten sicher sitzt und Dein Hund wie von alleine bereitwillig die Schnauze in den Maulkorb steckt, um an seine schmackhafte Belohnung zu gelangen. Das erste gesteckte Trainingsziel ist nun Mithilfe des Leckerchen erreicht. Denn Dein Hund verknüpft mit dem Maulkorb durch das Leckerchen etwas Positives, dass das Hundeherz höherschlagen lässt.

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Schritt 2: „Aufenthaltszeit“ im Maulkorb schrittweise steigern

Bisher war das Maulkorbtraining so ausgelegt, das Dein Hund sich das im Maulkorb befindliche Leckerchen schnappte. Je häufiger das Training erfolgte, desto zutraulicher wurde Dein Vierbeiner und konnte sich sukzessive mit dem unbekannten Maulkorb langsam etwas anfreunden.

Nun wird die Messlatte etwas höhergelegt. Das Trainingsziel ist es nun, dass Dein Vierbeiner etwas mehr „arbeiten“ muss, um die Leckerei aufnehmen zu können. So wird Dein Hund länger mit der Schnauze im Innern des Maulkorbs verweilen und sich weiter an den Kontakt im Schnauzenbereich gewöhnen

Damit dies so wie erhofft klappt, solltest Du die Leckerlies so in die Gitterverstrebungen stecken, dass sie leicht verkanten. Und hier musst Du unbedingt darauf achten, dass die Aufnahme der Futterbelohnung mit etwas mehr Einsatz durch Deinen Hund gelingt. Denn scheitert Dein Hund und kann die Leckerei nicht wie gewünscht oral aufnehmen, so entsteht Frust und damit ein negatives Erlebnis. Und wie wir bereits in unzähligen Artikeln rund um das Hundetraining und die Gewöhnung geschrieben haben, muss diese unbedingt immer auf positive Weise geschehen. Sei es im Zusammenhang mit anderen Hunden, fremden Geräuschen, der Hundeleine oder eben dem Maulkorb.

Wichtig:
Bei der gesamten Trainingsübung hast Du den Maulkorb sicher in der Hand. Er darf nicht aus der Hand fallen, ansonsten könnte dies Deinen Hund verschrecken und wiederum einen Minuspunkt in Bezug auf den Vertrauensaufbau und den Umgang mit dem Maulkorb bedeuten.

Schritt 3: Erstmalige Berührung mit den Verschluss- und Halteriemen

Die ersten Trainingsschritte auf dem Weg zum relaxten Maulkorbtragen sind durch eine hervorragende Teamarbeit von Dir und Deinem Hund erfolgreich gemeistert. Glückwunsch!

Jetzt kannst Du die nächste Herausforderung in Angriff nehmen. Ziel ist es hierbei, Deinen Vierbeiner mit den verschiedenen Riemen (Halsriemen, Stirnriemen etc.) durch erste Berührungen Schritt für Schritt vertraut zu machen.

Da Dein Hund bereits von alleine die Schnauze ohne Berührungsängste in den Maulkorb steckt und darin ausharrt, kannst Du im weiteren Verlauf behutsam die Verschlussriemen an den entsprechenden Stellen anlegen. Halte den Maulkorb aber immer gut fest. Bitte schließe die Riemen aber noch nicht, sondern halte auch die Enden der Verschlussriemen fest. Die Dauer dieser Übung wird wie gehabt sukzessive gesteigert, sodass auch der Kontakt mit den Riemen mit fortlaufenden Wiederholungen für Deinen Hund langsam zur Normalität wird. Aber bitte gehe mit Bedacht vor, da Du empfindliche Körperregionen wie Kopf, Stirn, Hals und Nackenbereich mit den Halteriemen des Maulkorbs berührst und zudem mit den eigenen Händen an Deinem Hund „arbeitest“. Die Übungen dürfen auf keinen Fall als unangenehm empfunden werden, da auch dieser Trainingsschritt einen positiven Eindruck hinterlassen muss, um das nötige Vertrauen und ein positives Gefühl mit den Riemen zukünftig zu verbinden.

Schritt 4: Es kommt Bewegung ins Spiel

Beim nächsten Step während des Maulkorbtrainings wird der Schwierigkeitsgrad nochmals erhöht. Aber keine Panik, auch diese Schwierigkeitsstufe wirst Du mit etwas Geduld und Gefühl mit Deinem Hund garantiert meistern.

Vom Ablauf spielst Du erneut den vorherigen Schritt 3 durch. Dieses Mal kommt aber etwas Bewegung in die Sache, denn Du hältst wieder sowohl den Maulkorb fest und die Enden der Verschlussriemen mit den Fingern zu. Dies erfordert ein wenig Gelenkigkeit, aber es trägt maßgeblich zum Erfolg bei.

Und nun schreitest Du langsam und gleichmäßig ein paar Schritte vor. So gewöhnt sich Dein Hund daran, während dem Laufen einen Maulkorb zu tragen. Damit sind wir aber noch nicht am Ende der in Sachen Maulkorbtraining angelangt. Diese Übung ist wieder nur ein Zwischenschritt auf dem Weg, dass Dein Hund ein wahrer Freund und Meister des Maulkorbtragens wird.

Hast Du diesen Schritt mit Deinem Vierbeiner ausreichend geübt und es scheint problemlos zu funktionieren, dann kannst Du dieselbe Übung trainieren, lässt aber die Hand vom Maulkorb und hältst nur noch die Riemen mit den Fingern geschlossen. Nun liegt der Maulkorb auf dem Nasenrücken auf. Schau genau hin, wie sich nun Dein Hund verhält. Im Regelfall sollte der Trainingsschritt mit jeder Wiederholung zum gewünschten Ergebnis führen. Nämlich, dass auch das Aufliegen des Maulkorbs keinerlei Problem mehr für Deinen Hund darstellt und durch das schrittweise Heranführen zur Normalität wird. 

Tipps & Tricks:
Gehe mit einer selbstbewussten Selbstverständlichkeit und Souveränität bei den einzelnen Trainingsschritten und -einheiten vor. Dann strahlst Du das nötige Charisma aus und Dein Hund wird sich vertrauensvoll an Deinem Tun orientieren. Je weniger „Popanz“ Du um das Maulkorbtraining oder die Gewöhnung an den Maulkorb machst, desto leichter wird die Zusammenarbeit und die Kooperationsbereitschaft Deines Hundes von der Hand gehen.

5. und letzter Schritt: Die Verschluss-Riemen des Maulkorbs werden geschlossen

Der große Moment ist da. Du darfst bei diesem Trainingsziel endlich die Finger vom Maulkorb lassen. Nun sollen die Verschlüsse der Riemen ihre Aufgabe erfüllen. Schließe sachte und ohne Hektik die Halteriemen. Auch in diesem Fall werden mit jeder Trainingseinheit die Zeitintervalle sukzessive gesteigert. Erst ganz kurz und dann immer länger. Zunächst Zuhause während dem Aufenthalt im Wohnraum. Später schrittweise im Garten und dann während der Gassirunde. Perspektivisch sollten dann auf Dauer auch ausgiebige Hunderunden bis hin zum Aufenthalt auf dem Hundeplatz beim Hundesport in Anwesenheit von anderen Hunden keine Komplikationen mehr auftreten. Sollte Dein Hund versuchen, den Maulkorb mit den Pfoten abzustreifen oder sein Unwohlsein auf andere Art und Weise signalisieren, so empfehlen wir auch erfahrenen Hundehaltern, einen Hundeprofi zu kontaktieren.

Wichtige Empfehlung:
Gehe bei diesem entscheidenden Schritt nicht zu ambitioniert vor. Nicht dass noch kurz vorm Ziel, negative Reize auf Deinen Hund im Zusammenhang mit dem Maulkorb einwirken und sich nachhaltig Unbehagen und Animositäten verankern. Schließlich soll der Maulkorb am Ende des Tages kein Schreckgespenst, sondern ein alltägliches Hundezubehör sein, mit dem Dein Hund „Freundschaft“ geschlossen hat.

 

Quellen:

Gansloßer, U., Knerzevi, K. & Kolkmeyer, C.A. (2020): Säugetierverhalten. Filander Verlag, Erlangen.

Gansloßer, U. & Kitchenham, K. (2019): Hundeforschung aktuell. Anatomie, Ökologie, Verhalten. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH &Co. KG, Stuttgart.

Campbell, N. A. & Reece, J. B. (2006): Biologie. 6. Überarbeitete Auflage. Pearson Studium, München.

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