Warum "Hundecoaching" eigentlich "Hundehalter-Coaching" heißen sollte!?

Beim viel zitierten Hundecoaching steht der Hundehalter im Fokus.

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Zuletzt aktualisiert am: 11.10.2023

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Das wichtigste in Kürze

  • Der Ursprung von Coaching
  • Physiologische versus psychologische Entwicklung
  • Ist ein Hundecoach gleichzusetzen mit einem Coach aus dem Sportbereich?
  • Wer lernt beim Hundetraining und Coaching primär dazu – Hund oder Halter?

Das Wording Hundecoaching und Hundecoach findet vielfach im Kontext mit der Hundeerziehung, dem Hundetraining und der Verhaltensberatung von Hunden Verwendung. Soll damit ausgedrückt werden, dass ein Coach, Hund und Hundeführer/Hundehalter in einem Training auf dem Hundeplatz in der Hundeschule oder unterwegs in Alltagssituationen im bekannten Umfeld coacht, damit die Beziehung und das gesamte Zusammenwirken von Hund-Mensch in den Mittelpunkt seines Coachings setzt? Steht beim Hundecoaching doch eher das Verhalten des Hundes im Mittelpunkt, um unerwünschte Verhaltensweisen näher zu analysieren und etwaige Verhaltensänderungen durch Training und Erziehung bei den Hunden herbeizuführen. Oder ist mit der Begrifflichkeit Hundecoaching vielmehr gemeint, den Hundebesitzer ins Zentrum der Analyse, Beratung und praktischen Anwendungen im Rahmen der Coachingmaßnahmen zu setzen, so wie es das Coachen von Menschen vorsieht? Unsere dogondo-Coaching-Expertin, Barbara Nowak, bringt nun in ihrem 2. Artikel mehr Licht ins Dunkel!

01

Hundecoaching: Berufsbezeichnung Hundecoach - Fakten

Hundecoach ist eine nicht geschützte Berufsbezeichung.

Darf sich jeder Hundecoach nennen?

Der Begriff „Hundecoach“ ist nicht geschützt. Es gibt dazu kein klar formuliertes Berufsbild. Demnach dürfen auch ganz klassisch ausgebildete Hundetrainer sich Hundecoach nennen, ohne eine konkrete Coaching-Ausbildung nachweisen zu müssen. Obwohl genau hier der nennenswerte Unterschied liegt: (Hunde-)Coaching ist nicht gleich (Hunde-)Training, wie du schon im vorangegangenen Artikel gelernt hast.

02

Warum wird Coaching mit Training oftmals gleichgesetzt?

Die Ursache liegt in der Historie begründet.

Aus diesen Gründen wird Coaching oft mit Training gleichgesetzt!

Ursprung des Coachings liegt als Methodik tatsächlich in der Lehre und diente seit Beginn der 1800er Jahre als Begriff für einen unabhängigen Privatlehrer – vor allem im Bereich des Studiums. Dieser Lehrer vermittelte Wissen und unterstützte die Umsetzung von Lerninhalten. Er erinnerte an die notwendigen Wiederholungen und überprüfte Ergebnisse.

Inhaltlich war dieser Lehrer durchaus gleichzusetzen mit dem heutigen Verständnis eines Trainers. Im Bereich Hund wäre das der klassische Hundetrainer, der genau weiß, was es braucht, und seinen Kunden Schritt für Schritt in der Umsetzung anleitet.

Ein weiterer Ursprung entstand in England und Amerika im Sport in 1926 und wurde als eine Art von Charakterbildung beschrieben. Im Fokus stand die Entwicklung von psychischen Kompetenzen im Kontext zur sportlichen Leistungsanforderung. Die Notwendigkeit mentaler Klarheit von Sportlern und der Möglichkeit mit Herausforderungen umgehen zu können, wurde erkannt und gefördert. Gleichzeitig war der Sport-Coach auch Trainer, der Spielzüge beibrachte und den Sportlern ebenfalls klare Anweisungen gab, im Sinne von: „Stell dich genau dorthin“, oder „spiele den Ball schräg übers Feld“. Im Sport nahm der Coach somit eine duale Rolle ein, indem er seine Spieler innerlich und auch fachlich entwickelte. Das entspricht in vielerlei Hinsicht dem heutigen Ansatz von Coaching und geht über das klassische Hundetraining hinaus. Der Mensch wird fachlich entwickelt, um Prozesse und Verhaltensweisen zu verstehen und gleichzeitig mental begleitet, um diese auch anwenden zu können. Und diesen Aspekt machen wir uns beim Umgang mit unserem Hund zunutze. 

03

Wer wird beim (Hunde-)Coaching gecoacht - Hund oder Halter?

Der Mensch steht beim (Hunde-)Coaching im Mittelpunkt!

Beim "(Hunde)coaching" geht es um Coaching des Menschen

Der Begriff „Hundecoach“ impliziert, dass der Hund gecoacht wird, obwohl das nicht der Fall ist. Vielmehr wird der Mensch gecoacht, um den Hund richtig anleiten zu können. Aus inhaltlicher Perspektive müsste es dann korrekt „Hundehalter-Coaching“ heißen, statt „Hundecoaching“. Die Erklärung für dieses wörtliche Missverständnis liegt auf der Hand: Die meisten Hundebesitzer sehen das Defizit in erster Linie beim Hund, weil dieser nicht in der Lage ist, dem Wort des Menschen zu folgen. Demnach muss der Hund in die Hundeschule, um etwas dazuzulernen. Und weil der Hund den Weg dorthin nicht allein findet, geht der Mensch mit. Erst im Training selbst stellt sich oft heraus, dass der Hundebesitzer die Übungen nicht so gut ausführen kann, wie der Trainer es vormacht. Manchmal liegt es an physiologischen Gründen wie:

  • der Mensch ist nicht schnell genug,
  • er hat zu wenig Kraft, oder
  • Koordination fällt ihm schwer.

An diesen Aspekten kann der Hundetrainer mit dem Hundehalter arbeiten und üben. 
Und manchmal sind es eben auch psychologische Gründe, die den Hundehalter innerlich nicht in die Umsetzung bringen. Dazu gehört beispielsweise die Angst zu versagen oder die Angst vor Konsequenzen. In diesem Moment darf zunächst ein ausgebildeter Coach durch innere Arbeit unterstützen und den Hundebesitzer in seine Handlungsfähigkeit bringen.

In beiden Fällen geht es nicht primär um die Entwicklung des Hundes, sondern um die des Menschen. Demnach darf die Hundeschule gern in „Hundehalter-Schule“ umgetauft werden. Und der allseits verwendete Hundecoach in „Hundehalter-Coach“. Dadurch würde sofort zu Beginn klar, dass die Erwartungshaltung vor allem auch an die Entwicklung des Hundebesitzers geknüpft ist.

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