Kastration des Hundes - Vorteile & Nachteile beim Kastrieren des Vierbeiners

Pro & Kontra Kastration des Hundes. Was dafür spricht und was dagegen.

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Zuletzt aktualisiert am: 30.6.2021

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Es gibt viele Vorteile, die für die Kastration des Hundes sprechen. Aber auch die Nachteile sollte man beachten, wie z.B. etwaige Verhaltensänderungen oder Übergewicht.

Sind die Rüden kastriert, haben die läufigen Hündinnen mehr Ruhe, sie verlieren ihre Männlichkeit und können keinen Nachwuchs mehr zeugen.

Wurde die Hündin einer Kastration unterzogen, so vermeidet man frühzeitig, dass es zu einem Deckakt kommen kann, an deren Ende ein Wurf Welpen steht. Denn schnell kann es unterwegs bei der Hunderunde zu einem erfolgreichen, aber ungeplanten Geschlechtsakts kommen. Die Konsequenz kann dann unter Umständen eine ungewollte Trächtigkeit sein, die hinzu mit der Überraschung von Mischlingswelpen, sprich einer Promenadenmischung einhergeht, da Rüde und Hündin völlig unterschiedliche Rassen sind oder gar eine Promenadenmischung der Erzeuger ist.

Also: Kastrieren ja oder nein?

Wir wollen das Thema der Kastration in unserem folgenden Artikel näher beleuchten, damit jeder Hundehalter Argumente für seine eigene Entscheidungsfindung an der Hand hat. Denn viele verschiedene Faktoren gilt es für den endgültigen Entschluss einzubeziehen, die von Fall zu Fall unterschiedlich in ihrer Relevanz für die Beantwortung der Frage sein können.

Welche Entscheidung ihr dann für euch persönlich treffen werdet, obliegt jedem in seiner Rolle als verantwortungsbewusster Hundehalter selbst.

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Ist das entsprechende Hundealter erreicht, heißt es, Kastration ja oder nein?

Ob Rüde oder Hündin, sich mit dem Thema Kastration frühzeitig auseinandersetzen, kann nicht schaden.

Als Hundehalter sich frühzeitig mit einem etwaigen Kastrieren des Hundes beschäftigen

Im Vorfeld der Anschaffung eines Vierbeiners, stehen wichtige und entscheidende Fragen zur Disposition, ob generell ein Hund zukünftig den Familienrudel ergänzen soll, alle Beteiligten dazu vollumfänglich bereit und in der Lage sind, die Haltebedingungen alle Vorgaben für die artgerechte Hundehaltung hergeben und die Bedürfnisse eines Hundes in all seinen Facetten nachgekommen werden kann. Steht der Entschluss am Ende des Tages unverrückbar fest, muss man sich aber mit weiteren Entscheidungskriterien befassen, damit der passende Hund schließlich gefunden werden kann.

Nicht zu Letzt steht hier dann die Geschlechterfrage an. Soll es also ein Rüde oder eine Hündin werden? Welche Punkte hierbei eine Rolle spielen, erfahrt ihr durch die Lektüre unseres gleichnamigen Artikels, der sicherlich viele hilfreiche Informationen und Tipps für eure Entscheidungsfindung bereithält.

Kaum hat man sich dann entschieden und den Wunschhund mit dem Welpenkauf beim Züchter angeschafft, so werden viele neue Aufgaben auf euch während der Welpenaufzucht zukommen, denn die ersten Wochen und Monate sind besonders für die Persönlichkeitsentwicklung des neugeborenen Hundes mit Prägung, Habituation, Sozialisierung und Erziehung sehr bedeutend, um den Welpen auf sein zukünftiges Hundeleben optimal vorzubereiten. Welche Themen hier anstehen, haben wir sehr detailliert in unserem Leitartikel "Die Entwicklungsphasen von Hundewelpen" beschrieben.

Ferner kommen nach einigen Wochen weitere Fragen auf, mit denen sich jeder Hundehalter früher oder später beschäftigen und befassen muss. Unter anderem gehört auch die Auseinandersetzung mit einer etwaigen Kastration auf Sicht mit zu den anstehenden Entscheidungen, die ihr ggf. in Betracht ziehen werdet oder aus ganz profunden Gründen verwerfen wollt.

Mit einer Kastration geht ein operativer Eingriff einher, mit dem der Rüde oder die Hündin unfruchtbar gemacht werden, sprich ihnen wird die Männlichkeit oder Weiblichkeit für eine erfolgreiche Fortpflanzen gezielt genommen.

Zu welchem Entschluss man als Halter hier kommt, hängt von vielen Faktoren ab, schließlich ist die Kastration ein unwiderbringlicher Einschnitt, will also wohlüberlegt und aus allen Blickwinkeln betrachtet werden. Denn auch hier hat man als Hundehalter eine enorme Verantwortung, die man für seinen tierischen Sozialpartner treffen muss.

Legt man sich eine Hündin zu, wird die erste Läufigkeit nicht lange auf sich warten lassen. Was das alles mit sich bringt, sowie für den Hundealltag und die Hündin bedeutet, könnt ihr in unserem ergänzenden Magazinartikel "Hilfe, meine Hündin ist läufig!" nachlesen.

Denn die Rüden hecheln ihr ab dem Tag der Läufigkeit, durch ihren Sexualtrieb angestachelt, mit einem bestimmten Ziel hinterher. Und das bedeutet höchste Alarmbereitschaft, denn in der heißen Phase der Läufigkeit der Hündin wird ein Geschlechtsakt schnell dazu führen, dass die Hündin gewollt oder ungewollt trächtig wird.

Eine Kastration des Rüden oder der Hündin kann in diesem Bezug helfen, wenn ihr vermeiden wollt, dass euer Rüde keinen Nachwuchs mehr zeugen kann oder die Hündin durch den tiermedizinischen Eingriff, unfruchtbar gemacht wird.

Weitere Pro und Kontras im Hinblick auf das Kastrieren des Hundes, werden wird im weiteren Verlauf des Artikels abhandeln.

Da jeder Rüde und jede Hündin schnell in das entsprechende Hundealter kommen, in dem sie ihre Geschlechtsreife erreichen, ist es als verantwortungsvoller Hundehalter ratsam, sich früh mit dem Thema einer potentiellen Kastration zu beschäftigen.

Dabei gilt es vor dem Kastrieren, das Für und Wider genau abzuwägen und dabei immer die Vor- und Nachteile im Sinne des eigenen Hundes und der eigenen Lebensumstände im Auge zu behalten.

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Was passiert genau bei einer Kastration?

Wird der Rüde oder die Hündin kastriert, muss der Tierarzt einen operativen Eingriff vornehmen.

Die Fortpflanzungsmöglichkeit wird durch die Kastration unterbunden

Bei der Kastration unterbindet der Tierarzt durch einen Eingriff mittels Operation, die Fortpflanzungsmöglichkeit und das Fortpflanzungsverhalten des Hundes.

Gleichzeitig wird erreicht, dass die Spätfolgen, durch hormonelle Störungen eingeschränkt werden. Sprich, die Gefahr durch etwaige Folgeerkrankungen, die im Zusammenhang mit nicht kastrierten Rüden oder Hündinnen auftreten können, werden eingedämmt.

Der Tierarzt entfernt in einer kleinen Operation die beiden Hoden des Rüden. Der Hund wird für den Eingriff in einen künstlichen Schlaf, mittels Narkose gelegt. Bei der Narkose handelt es sich um eine Vollnarkose.

Der Hodensack wird in der Regel nicht entfernt. Er wächst bzw. bildet sich mit Fortlauf der Zeit zurück.

Bei den Hündinnen werden die Gebärmutter und/ oder die Ovarien, auch Eierstöcke genannt, operativ entnommen. Bei einer Total-OP werden beide entfernt, bei einer Teil-OP nur die Eierstöcke.

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Wann wird das Kastrieren des Rüden oder der Hündin empfohlen?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kastration des Hundes erreicht?

Den besten Zeitpunkt gibt es nicht. Es kommt auf jeden Hund und Halter individuell an.

Es gibt keinen ganz genauen Zeitpunkt, den man hierfür nennen kann oder gar müsste. Viele Hundehalter warten eine Zeit ab und wollen dem Hund das Erreichen seines reproduktionsfähigen Alters nicht vorab nehmen.

Andere wiederum wollen unbedingt nach Rücksprache mit ihrem Tierarzt, die Kastration bereits ab dem 6. Lebensmonat durchziehen, bevor der Rüde in das Alter der Geschlechtsreife kommt. Hier spricht man auch von der Frühkastration.

Immer wieder ist zu hören, dass das Kastrieren des Vierbeiners durchaus einen Einfluss auf sein Wachstum hat und daher viele Hundehalter länger warten, um dem Hund ausreichend Zeit für das Wachstum zu geben.

Folglich bleibt es jedem Hundebesitzer überlassen, wann er es für richtig hält, seinen Rüden oder die Hündin zu kastrieren. Die Herangehensweise und die Motivation sind bei jedem anders gelagert, so dass es prinzipiell auf die jeweiligen Bedürfnisse erfolgen kann.

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Vorteile & Nachteile einer Kastration des Hundes

Für & Wider, Pro & Kontra für das Kastrieren von Rüde oder Hündin gut abwägen und dann den Entscheidung fällen.

Zeit zum Überlegen lassen, um dann den richtigen Entschluss zur Kastration zu treffen

Vorteile einer Kastration von Rüde oder Hündin:

Durch die Kastration können u.a. folgende Vorteile resultieren:
Durch eine Kastration kann es zu sehr positiven Verhaltensänderungen des Hundes kommen. Der Hund wird etwas ruhiger, ausgeglichener, konzentrierter und sein Jagdinstinkt lässt etwas nach.
Durch das Kastrieren reduziert man das Risiko auf etwaige Krankheiten, wie beispielsweise Mammatumore, Prostataerkrankungen und weitere Hundekrankheiten.
Der Sexualtrieb wird reduziert, was bei einigen Rüden zu deutlicher psychischer und physischer Entlastung führt. Hündinnen hingegen, werden nicht mehr so häufig von den Rüden belästigt.
Bei Hündinnen wird eine etwaige Trächtigkeit und Scheinträchtigkeit vermieden. Des Weiteren treten keine Blutungen und Hormonschwankungen mehr auf.
Bei Rüden wird das Problem des Präputialkatarrh reduziert. Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der Eichel und Teile der Vorhaut. Bei nicht kastrierten Rüden ist der hygienische Faktor immer wieder ein Argument für eine Kastration, da der unkastrierte Hund an seinem Geschlechtsorgan ansonsten oft einen tropfenweisen Ausfluss verliert, der dann in seiner Umgebung verteilt wird.
Der Umgang mit anderen Hunden des gleichen Geschlechts, wird in der Regel deutlich besser, angenehmer und entspannter.
Der Markierungsdrang bei Rüden nimmt ab.

Nachteile einer Kastration von Rüde oder Hündin:

Durch die Kastration können u.a. folgende Nachteile resultieren:
Eine Frühkastration kann negative Auswirkungen auf den Hund und dessen Entwicklung nehmen. Es kann beispielsweise zu Wachstumsstörungen führen. Die Gefahr ist, dass der Hund deutlich kleiner als seine Verwandten sein wird.
Des Weiteren bewirkt eine frühzeitige Kastration unter Umständen, dass sich die Muskulatur des Vierbeiners schwächer entwickelt, wie bei Hunden, die die Pubertät erreichen. Die Folge können das Auftreten von Hundekrankheiten des Bewegungsapparats sein.
Durch die Kastration wird der Hund in der Regel ruhiger, aber auch behäbiger und fauler. Hierdurch steigt die Gefahr zur Gewichtszunahme, also das Risiko für Übergewicht. Daher sollte nach dem Kastrieren eine Auge auf das Körpergewicht der Hunde gehalten werden und wenn nötig, die Nahrungszufuhr bei der Fütterung reduziert und angepaßt werden. Die Konsequenzen durch potentielles Übergewicht und was ihr als Halter aktiv dagegen unternehmen könnt, erfahrt ihr durch die Lektüre unseres Magazinartikels "Übergewicht bei Hunden".
Wenn Hündinnen kastriert werden, kommt es oft zu Inkontinenz. Sprich die Hündin verliert tropfenweise Urin.
Etwaige Verhaltensänderungen des Hundes können nach einer Kastration auftreten und sich im Wesen verfestigen.
Das Kastrieren kann bei Hunden, die als Jagdgebrauchshunde eingesetzt werden, zu erheblich nicht gewünschten Folgen führen. Das Jagdverhalten des Hunde könnte darunter schwer leiden, sein Jagdinstinkt gestört und der Jagdtrieb reduziert werden.
Eine endgültige Kastration ist nicht mehr rückgängig zu machen, daher sollten etwaige Planungen zur Zucht und gezielten Trächtigkeit definitiv und unumstößlich ad acta gelegt sein.

Grundsätzlich solltet ihr das Vorgehen bei der Kastration eures Rüden oder der Hündin in Ruhe und gut überlegt entscheiden. Es macht immer Sinn, den Rat von Profis mit einzubeziehen. Und was liegt näher, als den Fachmann für die Gesundheit zu fragen. Der Tierarzt ist die erste Anlaufstelle und er wird ebenfalls nochmals die Vor- und Nachteile des Kastrierens eures Hundes mit euch besprechen. Er kennt euren Vierbeiner schließlich am besten und kann daher auf ihn konkret eingehen.

Vielleicht rät er u.a. bei eurem Rüden, zu einem sogenannten Kastrations-Chip.

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Was ist ein Kastrationschip und was bewirkt er?

Die Auswirkungen einer Kastration mit Hilfe des Kastrationschip auf Zeit testen. Damit werden die Auswirkungen des Kastrierens beim Hund sichtbar. Und folglich kann man seine Entscheidung für die dauerhafte Kastration besser fällen.

Mithilfe eines Kastrationschip die Auswirkung einer Kastration beim Hund testen

Oft wird der Hinweis bei einer etwaigen Kastration eines Rüden gegeben, dass sein Verhalten sich positiv wie auch negativ verändern kann. Da man aber nicht genau vorhersagen kann, wie sich der Vierbeiner nach dem Kastrieren verändert und wie seine Verhaltensweisen aussehen werden, ob erwünschte oder ungewollte Veränderungen auftreten, gibt es einen Chip, den man bei dem Rüden implantieren kann.

Um Enttäuschungen nach einem operativen Eingriff zu umgehen, wird oft zu einer Kastration auf Zeit bzw. zu einer Probe-Kastration übergegangen. Hierbei wird auf Zeit ein Kastrations-Chip dem Rüden eingesetzt. Nun können die Auswirkungen einer potentiell dauerhaften Kastration auf eine kurze Zeit beobachtet werden.

Ein Meilenschritt für den Hundehalter und den Rüden, da man nun gut Für und Wider abwägen kann. Wir der Hund sehr aggressiv, ist er total ruhig und hat keine Lust mehr sich zu bewegen oder erfährt man weitere unerwünschte oder auch positive Überraschungen?

Wenn ihr dann genug erfahren habt, bleibt schlussendlich die Entscheidung ganz allein bei euch.

Sollt ihr nun den Hund einer Kastration unterziehen? Und wenn ja wann? Oder insgesamt Nein zum Kastrieren des Rüden oder der Hündin, da ihr vielleicht einen Wurf Welpen haben wollt?

Zu welchem Entschluss ihr auch immer kommen mögt, Ihr seid der Hundehalter, der die Verantwortung für den Rüden oder die Hündin übernommen hat und für Wohl und Wehe des Hundes sorgen müsst.

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Wo liegt der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation beim Hund?

Die Kastration ist im Gegensatz zur Sterilisation unwiderruflich und engültig.

Kastration vs Sterilisation

Bei einer Sterilisation wird ebenfalls ein operativer Eingriff vom Tiermediziner durchgeführt, mit dem Ziel Rüde und Hündin unfruchtbar zu machen. 

Damit wird sichergestellt, dass Rüde und Hündin sich durch einen Geschlechtsakt nicht mehr fortpflanzen können, sprich eine sterilisierte Hündin keine Welpen mehr zur Welt bringt und der Rüde beim Geschlechtsverkehr keinen Nachwuchs mehr zeugen kann.

Hierfür werden bei einer Sterilisation die Keimwege des jeweiligen Geschlechts unterbunden und gekappt. Das bedeutet, dass die Samenleiter des Rüden und die Eierstockleiter der Hündin, aus medizinischer Sicht also Samenstrang und Eileiter, durchtrennt werden. Damit ist ein Weitertransport von den Spermien und den Eiern unterbrochen.

Der Hormonhaushalt bleibt durch den Eingriff vollkommen unberührt, auch der Sexualtrieb bleibt vollständig bestehen.

Was gibt es final noch über eine Kastration aus tiermedizinischer Sicht zu wissen?

Wenn ihr eine detaillierte Expertenantwort auf diese Frage wünscht, so raten wir euch nun unseren ergänzenden Artikel "Die Kastration aus medizinischer Sicht" von unserer Tierärztin zu lesen. Hier werden alle wissenswerten Aspekte aus dem Blickwinkel der Tiermedizin beleuchtet.

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