Hull, Clark Leonhard

Wer war Clark Leonhard Hull und welchen Einfluss übt er auf die moderne Hundeerziehung aus?

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Zuletzt aktualisiert am: 12.1.2023

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  • Clark Leonhard Hull

Clark Leonhard Hull (24.05.1884-10.05.1952) war US-amerikanischer Lerntheoretiker und Neo-Behaviorist, der zu inneren Vorgängen forschte. Seine Hypothesen zu Bedürfnissen, Trieben und Triebreduktion helfen zu verstehen, warum und unter welchen Umständen ein Reiz oder ein Verhalten als belohnende Verstärkung motivierend wirkt.

Der in einfachen und ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Hull studierte zunächst Ingenieurswesen an der Michigan University, wechselte aber bald in die Psychologie. Da die Finanzierung seiner Ausbildung nicht durchgängig geben war, legte er seine Doktorarbeit erst mit 34 Jahren 1918 an der University of Wisconsin vor, wo er im Anschluss 11 Jahre lang arbeitete. Ab 1929 forschte und lehrte er an der Yale University.

Seine Forschungsarbeit lieferte neben der Grundlage für die experimentelle Hypnoseforschung vor allen Dingen die im ersten Teil unserer dreiteiligen Artikelreihe zur Lerntheorie beschriebene Hypothese über den Zusammenhang zwischen Bedürfnis, Trieb und Triebreduktion, der zufolge alles motivierend oder positiv verhaltensverstärkend wirkt, was den allgemeinen, durch Bedürfnisse entstandenen Trieb mindert. 

Eigentlich war Hull ein Anhänger der Behavioristen und ging davon aus, dass Verhaltenswissenschaft primär beobachtbare und damit mess- und quantifizierbare Werte in Theorien einbinden sollte, während eher spekulative Annahmen zu vermeiden sind. Vor allen Dingen die von B. F. Skinner entwickelte operante Konditionierung, auf der die meisten im letzten Teil unserer dreiteiligen Artikelreihe zur Lerntheorie beschriebene modernen Trainingsmethoden für Hunde aufbauen, vermeidet alle Annahmen über innere Vorgänge. Mit der Konzentration auf die Zusammenhänge zwischen beobachtbaren und messbaren Reizen, Reaktionen und Konsequenzen liefert diese Theorie zwar vorhersagbare Ergebnisse, bleibt aber an der Oberfläche und degradiert Lebewesen gewissermaßen zu Reiz-Reaktions-Maschinen: Es könne mit der operanten Konditionierung aber keine Aussagen darüber gemacht werden, ob ein nach allgemeinen gesellschaftlichen Maßstäben erfolgreich konditionierter Mensch, einer also, der gut erzogen und ausgebildet ist und erfolgreich einer Arbeit nachgeht, psychisch so gesund ist, wie er scheint. Denn eine sich anbahnende Depression spielt sich im Inneren ab, auch wenn keine nachmessbaren Aussagen zum Inneren zu machen sind und auch sie hat Auswirkungen auf das Verhalten.

Seinem Hang zum Behaviorismus Rechnung tragend, entwickelte er mathematischen Formeln, die sehr detailliert die entsprechenden Zusammenhänge zwischen Bedürfnis, Trieb, Triebreduktion und Wirkung als Verstärker darstellten. Allerdings führten diese zu Vorhersagen, die experimentell nicht belegt werden konnten. 

Unbestritten ist aber, dass Bedürfnisminderung motivierend, verhaltensverstärkend und belohnend wirkt.

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