Kuscheln mit Hund: Vor- & Nachteile?!

Kuscheln mit dem Hund gehört zum sozialen Miteinander dazu

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Zuletzt aktualisiert am: 18.7.2023

Bild von: Sabrina Hopstein
Hochgeladen am: 18.7.2023

Ein Dalmatiner Welpe im Arm bei Frauchen.jpg

Das Kuscheln mit dem Hund gehört für die allermeisten Hundebesitzer ganz klar mit aufs Tagesprogramm. Denn der Hund hat Herrchen, Frauchen und allen Familienmitgliedern den Kopf verdreht und ihr Herz schon vor dem Einzug im Flug erobert. Und nichts liegt näher, als die Nähe der Fellnase von Anbeginn der Haltung zu genießen. Und zu dieser Nähe gehört das Kuscheln, Schmusen, Streicheln und Liebkosen unweigerlich dazu, denn die Zuwendung zum Hund tut dem Hund und seinen Rudelmitgliedern gut. So soll das Kuscheln schließlich auch die Bindung fördern und intensivieren, also die Beziehung letztlich noch inniger und harmonischer machen.

Ist das auch uneingeschränkt so, dass das Kuscheln nur Vorteile nach sich zieht? Oder kann zu viel Kuscheln und physische Nähe auch zu viel sein und wie bei uns Menschen das Hundewesen erdrücken?

Wie wollen das Kuscheln mit dem Hund aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, um uns allen ein besseres Bild zu verschaffen. Denn letztlich soll das Kuscheln doch das Wohlsein von Hund und Mensch guttun.

Ein Rhodesian Ridgeback Welpe im Arm bei Frauchen

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Was sorgt für das wohlige Gefühl beim Kuscheln mit dem Hund?

Ein Kuschelhormon verursacht das Glücks- und Wohlgefühl.

Das Kuschelhormon Oxytocin

Für das wohlige Gefühl das beim Kuscheln, Schmusen, Streicheln, Liebkosen und Zusammenliegen mit dem Hund sorgt, ist ein Hormon Namens „Oxytocin“ verantwortlich. Nicht non Ungefähr wird dieses Hormon auch Kuschelhormon genannt.

Zwei Malteser liegen eng nebeneinander auf der Wiese

Und das Oxytocin wird beim Kuscheln mit dem Hund, sowohl von Herrchen/Frauchen, als auch dem Hund selber ausgeschüttet. Insofern sich beide in der befindlichen Situation wohlfühlen. Denn wird der Hund mit den Liebkosungen „überrannt“ und gibt sich mehr oder minder hin, fühlt sich vielleicht sogar eingeengt, dann wird das Oxytocin garantiert nicht für Pluspunkte in Sachen Wohlbefinden beitragen.

Im Übrigen ist das Oxytocin nicht nur im Zusammenhang mit dem Kuscheln mit Hund der Auslöser für das wohlige Gefühl beim engen Zusammenwirken von Hund und Mensch. Denn auch bei Hündinnen und ihren neugeborenen und heranwachsenden Welpen spielt das Oxytocin eine gewaltige Rolle im Hinblick auf die enge Bindung zwischen Muttertier und Nachzucht. Durch das fürsorgliche Umsorgen inklusive der Welpenpflege und Laktation, sowie das enge Zusammenliegen in der Wurfkiste, wird auch Oxytocin bei den anwesenden Fellnasen ausgeschüttet und wirkt sich positiv auf den Bindungsaufbau und -ausbau sowie das Wohlgefühl aller Beteiligten aus.

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Ist das Kuscheln mit dem Hund gut für die Bindung?

Ja. Solange es der Hund will.

Kuscheln mit dem Hund ist gut für die Bindung, aber...

Prinzipiell ist das Kuscheln mit dem Hund bindungsfördernd und wird daher auch als Bindungshormon hier und da bezeichnet.

Aber auch im Zusammenhang mit der Bindung muss man wieder darauf hinweisen, dass auch für eine Bindungsförderung und folglich Intensivierung der Beziehung, beide Parteien Lust und Freude an der körperlichen Nähe haben müssen. Bemerkt ihr also, dass euer Hund prinzipiell eher zurückhaltender Natur im Hinblick auf das Kuscheln und die angestrebte Zuwendung reagiert, dann lasst ihm seinen Freiraum. Ansonsten wird das körperlich gutgemeinte zu einer mentalen und seelischen Belastungsprobe – und schon kehrt die bindungsfördernde Maßnahme in Stress und Druck um, was folglich zu einem negativen Treiber und damit Nachteil in Bezug auf die Bindung wird.

Eine junge Frau mit T-Shirt hält ihren Malteser fest auf dem Arm

Es gibt am Ende des Tages kein Richtig oder Falsch. Der Hund soll entscheiden, was er mag oder nicht. Und wieviel er einfordert und zulässt.

Denn es ist abhängig von der jeweiligen Hundepersönlichkeit, ihren individuellen Anlagen, Bedürfnissen, Interessen und Neigungen. Auch inwieweit das Kuscheln von Hund und Mensch, von Seiten der Fellnase eher positiv oder negativ empfunden wird.

Und so gibt es auch innerhalb der einzelnen Hunderassen, Schläge und Würfe charakterliche Unterschiede und spezifische Vorlieben. Sprich, nicht jede Fellnase ist gleich veranlagt und hat denselben Zug zu seinem Menschen und dessen körperliche Nähe. Es gibt Hunde und Rassen, die eher für ihre Kontaktfreudigkeit und menschliches Zuwendungsbedürfnis bekannt sind, als andere.

Dies gilt es herauszufinden, um aus Respekt seinem Hundepartner nicht zu Nahe auf die Pelle zu rücken, nur um das eigene Kuschelbedürfnis zu stillen. Jede Hundepersönlichkeit bringt eine spezifische Individualdistanz mit, die respektiert und gewahrt werden sollte. 

Manche sind regelrecht verrückt nach der körperlichen Nähe ihres Menschen, suchen ständig die Nähe, wollen Kontaktliegen auf Sofa und im Bett ausleben, könnten permanent Kuscheln. Andere hingegen sind auch mitunter unnahbar, was nicht heißen soll, dass diese Hundeindividuen nicht ihre Menschen gernhaben und in unmittelbarer Nähe ihr Dasein im Rudel genießen – sie sind aber eben nicht diejenigen, die rund um die Uhr am Rockzipfel hängen, ständig geknuddelt werden wollen.

Ein kleiner Mischlingshund schaut erschreckt zum Betrachter und wird von Herrchen festgehalten

Meint ihr also es wäre an der Zeit mit eurem Hund zu Kuscheln, seine körperliche Nähe zu suchen und ihn zu streicheln, so achtet stets auf das Ausdrucksverhalten. Denn dieses wird euch sofort anhand der ausgesendeten Kommunikationssignale mitteilen, ob er sich wohlfühlt oder eher nur gewähren lässt. Vielleicht aber auch Abwehrverhalten zu erkennen ist, da er aktuell nicht in der Stimmung ist mit seinem Menschen zu kuscheln und „Zärtlichkeiten“ auszutauschen.

Die Fellnase darf auf gar keinen Fall bedrängt oder zu etwas gezwungen werden. Sucht der Hund während den „Annäherungsversuchen“ aktiv Körperkontakt, legt seine Pfoten beabsichtigt auf den Arm oder das Bein, rutscht noch näher an euch heran und genießt das Streicheln, ist alles perfekt. Steht er auf uns flüchtet, dann lasst ihn in Ruhe. Oder dreht er den Kopf immer wieder weg, wenn ihr ihn herzt und Wange an Wange drückt? Drücken andere Signale wie Gähnen oder Lecken über die Schnauze/Nase vielleicht ein Unwohlsein aus und die Fellnase möchte eigentlich eher die Distanz zu euch erhöhen? Dann lasst von ihm ab und versucht euer Glück zu einem späteren Zeitpunkt. 

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Worauf zahlt das Kuscheln mit Hund noch ein?

Vertrauen, Zugehörigkeitsgefühl, Sozialisierung, Stressabbau etc.

Kuscheln mit dem Hund ist aus vielerlei Sicht nützlich

Findet das Kuscheln unter beidseitigem Einverständnis und Verlangen statt, so ist das Kuscheln mit dem Hund nicht nur eine bindungsfördernde Maßnahme, sondern wird sich auch äußerst positiv auf das gegenseitige Vertrauen und damit alltägliche Miteinander als Team auswirken.

Demnach steigern das Kuscheln, Zusammenliegen und miteinander Verweilen, das Zugehörigkeitsgefühl des Hundes. Auch dies ist bringt einen positiven Effekt auf das Verhältnis Hund Mensch, da die Fellnase damit sich noch mehr als Teil des Rudels sieht.

Ein Mann mit Glatze sitzt mit drei Hunden auf dem Sofa und schaut glücklich zum Betrachter

So ist die körperliche Zuneigung im Falle einer positiven Empfindung auf Seite des Hundes, gerade auch bei Welpen für die Prägung und Sozialisierung während der Welpenaufzucht enorm wichtig. Angefangen in der Zuchtstätte ist nicht nur die menschliche Anwesenheit beeinflussend, sondern auch der mit dem Menschen stattfindende Körperkontakt. Sprich, nimmt der Züchter den Welpen ab und an auf den Arm, streichelt ihn und schenkt ihm körperliche Zuwendung, so werden diese intensiven Interaktionen als angenehm empfundene Erfahrungen und Eindrücke abgespeichert und damit für das gesamte zukünftige Miteinander mit der Spezies Mensch zu einem nützlichen Erlebnis. Ab dem Einzug ins neue Zuhause, kann dann die Familie daran anknüpfen, mit ihrer Zuneigung weitermachen und dem Welpen damit die Aufnahme erleichtern und das Zugehörigkeitsgefühl im Ersatzrudel aktiv unterstreichen.

Ferner habt ihr während dem Kuscheln die Möglichkeit, euren Hund näher zu betrachten, seine körperliche Konstitution zu checken, nach Verletzungen, Schwellungen, Parasiten etc. abzutasten. Folglich bringt das gemeinsame Kuscheln Hund und Mensch auch im Hinblick auf die Hundepflege und Gesundheit einen Mehrwert.

Durch das gesteigerte Wohlsein durch das Kuscheln mit Hund, wird während dieser Entspannungsphase auch mentaler Stress abgebaut und die physische und psychische Regeneration läuft auf Hochtouren.

Sucht der Hund aktiv die Nähe und Zuneigung oder erwidert sie, so ist dies natürlich auch ein Ausdruck von großer Sympathie. Mehr Bestätigung und Balsam auf die Seele, kann man als Mensch von seinem Hundepartner nicht bekommen...

Zu guter Letzt ist das Kuscheln und die Suche nach Körperkontakt des Hundes zu seinem Menschen und andersrum ein historisch gewachsenes Verhalten, das dem Partner Wärme und Sicherheit vermittelt. Schon seit den Anfängen der Domestikation und dem sich daraus entwickelten Zusammenleben der beiden artfremden und dennoch so nahen Spezies, war das enge Miteinander ein Faktor in Sachen Schutz vor fremden Menschen und Tieren sowie zur Wärmeregulierung in kalten Jahreszeiten.

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Wieviel Kuscheln mit dem Hund ist erlaubt & gut für das Miteinander?

Das kommt auf den Hund und dessen individuelles Kuschelbedürfnis an.

Kuschelintensität Individuell anpassen

Auch hier können wir letztlich nur wieder mitgeben, auf das Verhalten des Hundes stets zu achten, wenn ihr seine Nähe sucht, ihn anfasst und kuscheln wollt. Wird der Körperkontakt erwidert und der Hund genießt das Zusammensein, dann passt alles.

Aber: Übertreibt es nicht.

Habt ihr das Gefühl, dass euer Vierbeiner euch hier und da gezielt aus dem Weg geht, seine Ruhe will und sich vielleicht sogar zurückzieht, dann könnte es zu viel des Guten sein. Überfordert eure Fellnase auch in Bezug auf das Kuscheln nicht. Denn dies schadet der Bindung und dem harmonischen Miteinander.

Kuscheln ist also empfohlen und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten, unbedingt für das soziale Miteinander förderlich.

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