Do´s and Don´ts der Welpenfütterung

Worauf ist bei der Welpenfütterung zu achten?

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Zuletzt aktualisiert am: 30.12.2022

Zwei Chow-Chow Welpen beim Fressen.jpg

Kaum eine Frage spaltet die Hundehalternation so sehr, wie die Frage nach der richtigen Fütterung. In unserem Artikel Do’s and Don’ts der Hundefütterung haben wir uns schon mit allgemeinen Fragen und Fallstricken der Fütterung beschäftigt. Nun gehen wir etwas näher auf die Fütterung unserer kleinsten Lieblinge, der Welpen und Junioren, ein.

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Dose, Kroketten oder BARF? Was ist für meinen Welpen das beste?

Auf der Suche nach der richtigen Welpenfütterung.

Diverse Fütterungsmethoden können den Napf des Welpen füllen

Die Frage dieses Kapitels ist nicht leicht zu beantworten, denn alle Fütterungsarten bieten Vor- und Nachteile (s. Artikel Do’s and Don’ts der Hundefütterung) und keine ist explizit schlecht für Welpen.

Bei Rohfleischfütterung können genauso viele Fehler passieren, wie bei Trockenfuttergabe. Zu beachten ist aber, dass Nass- oder Trockenfutter explizit als Alleinfuttermittel und speziell für heranwachsende Hunde („Welpe“, „Junior“) ausgeschrieben sein sollte. Denn Ergänzungsfuttermittel (Gegenteil des Alleinfuttermittels) bieten keinen vollen Nährstoffbedarf und Futter für ausgewachsene Hunde („Adult“) hat ebenfalls eine andere Zusammensetzung als die, die ein Welpe benötigt (s. unten).

Auch sollte man bei der Aufschrift „ohne Zusätze“ hellhörig werden, da auch Vitamine zu den Zusätzen gezählt werden und sollten diese fehlen, wäre es natürlich fatal.

Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass Futter einer Marke gewählt wird, die schon einige Jahre bis Jahrzehnte auf dem Markt ist, da man sich bei diesen Firmen in der Regel auf großes Wissen, Erfahrung und Qualität verlassen kann. Optimalerweise nutzt man eine der gängigen Marken, mit denen Tierärzte zusammenarbeiten, da diese höchste Qualität und Sicherheit bieten.

Für Welpen besonders kleiner oder großer Rassen lohnt es sich, Futter mit entsprechender Ausweisung (z.B. „für kleine Rassen“, „für Hunde ab 30kg“) zu kaufen. Denn dieses ist speziell für den besonderen Nährstoffbedarf dieser Hunde ausgelegt. Ansonsten kann es passieren, dass ein Hund im „Einheitsfutter“, das für alle Rassen/Größen ausgelegt ist, phasenweise zu viel oder zu wenig Nährstoffe erhält.

Es gibt auch Firmen, die individuelles Trockenfutter herstellen. Das heißt, angepasst an Alter, Gewicht, Rasse, Aktivitätslevel, besondere Bedürfnisse, Erkrankungen etc. wird eine Trockenfutterration speziell für diesen Einzelhund hergestellt. Das Futter ist dann zwar teurer als aus dem Discounter, bietet dafür aber absolute Gewissheit der korrekten Nährstoffversorgung und Unterstützung bei schon bestehenden oder rassebedingt vermutlich später auftretenden Krankheiten.

Ähnlich funktioniert das System der Rohfleischfütterung oder des BARF. Durch selbst zusammengestellte Rationen weiß man immer genau, was der Welpe zu sich nimmt. Allerdings darf hier nicht nach Gefühl gekocht werden, sondern es muss zwingend eine Ration mit entsprechend konkreten Angaben (z.B. „140g Hähnchenfleisch, 80g Kartoffel, 2 EL Hüttenkäse…“) von einem Experten berechnet werden! Sonst drohen, gerade beim Welpen oder Junior, krankmachende Über- oder Unterversorgungen! Experte heißt in diesem Fall ein Tierarzt für Tierernährung oder ein sehr gut (!) ausgebildeter Tierernährungsberater. Diese Ration muss auch an wechselnde Lebensphasen des Hundes angepasst werden, was beim Welpen ca. im 2-Monats-Takt erfolgt. Da dies ein erheblicher Zeit- und Kostenaufwand ist, wird BARF oft erst im Erwachsenenalter empfohlen. Ebenso ist Vorsicht geboten bei der Verwendung von Fertig-BARF-Dosen. Diese sind meist unzureichend erhitzt, um der BARF-Philosophie möglichst treu zu bleiben, was aber zu Befall mit gasbildenden Bakterien (z.B. Clostridien) führen kann.

Allgemeine Hygiene ist natürlich bei jeglicher Fütterungsart angesagt und sollte für jeden Hundehalter selbstverständlich sein.

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Ab wann kann ich auf Erwachsenenfutter umsteigen?

Frühestens ab dem 12. Lebensmonat des Welpen ist ein Umstieg ratsam.

Nicht zu früh das Futter des Welpen umstellen

Der Umstieg auf Erwachsenenfutter/Adultfutter sollte frühestens nach dem 12. Lebensmonat erfolgen. Denn die meisten Rassen beenden ihr Wachstum erst in diesem Zeitraum, einige sogar noch später. Da Welpen und Junioren eine bestimmte Nährstoffzusammensetzung (s. unten) für eine optimale Entwicklung, besonders des Skeletts, benötigen, sollte man ihnen diese Nähstoffe auch bis zum Ende des Wachstums bereitstellen. 

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Was passiert, wenn ich einen Welpen mit Erwachsenenfutter füttere?

Bei falscher Fütterung des Welpen droht ein Mangelzustand.

Vorsicht, nicht zu früh auf Erwachsenfutter umsteigen

Welpen, Junghunde und erwachsene (adulte) Hunde haben einen völlig anderen Nährstoffbedarf. So benötigen Welpen etwa dreimal so viel Calcium wie ein erwachsener Hund.

Ebenso ist ihr Energie- und Proteinbedarf viel höher.

Würden sie Adultfutter bekommen, würde also unweigerlich ein Mangelzustand eintreten, der fatale Folgen haben kann: brüchige Knochen, wenig Muskulatur, unzureichende Gehirnentwicklung, Organschäden, Hautprobleme etc.

Leider wird oft von Züchtern empfohlen, den Welpen schon mit Adultfutter zu füttern, um ein zu schnelles Wachstum zu vermeiden. Der Gedanke dahinter ist zwar richtig, denn insbesondere Hunde großer Rassen sollte man lieber „groß hungern“ als „groß füttern“ (s. Punkt 5), aber Adultfutter hat eben nicht nur weniger Energie, sondern auch weniger Nährstoffe.

Was hilft es dann, wenn der Hund langsam wächst, aber innerlich krank ist? Ein wachsender Hund sollte also immer mit entsprechendem Welpen- oder Juniorfutter gefüttert werden! Eine Umstellung sollte erst ab dem 12. Lebensmonat erfolgen (s. Punkt 2).

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Braucht mein Welpe Vitamintabletten, Darmpulver oder Immunglobuli?

Das richtige Welpenfutter ist ausreichend mit allen notwendigen Nährstoffen bestückt.

Ist die Zufütterung von Nahrungsergänzung und anderen Futterzusätzen für den Welpen sinnvoll?

Viele Hundehalter wollen ihrem Welpen mit Futterzusätzen einen bestmöglichen Start ins Leben bereiten.

Leider bringen diese Mittel oft keinen Effekt oder verursachen mehr Probleme, als sie lösen.

Ein gesunder Welpe benötigt, wenn er ein entsprechend ausgewogenes Welpenfutter erhält, keine weiteren Pulver, Tabletten und Co. Denn in seinem Futter hat er alle wichtigen Energiequellen, Nährstoffe und Vitamine.

In Krankheitsphasen kann Unterstützung mit passenden Mitteln (z.B. Präbiotika für die Darmflora, Kurkuma oder Vitamin C fürs Immunsystem) sinnvoll sein, sollte aber immer mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden, um Fehler zu vermeiden.

Werden per se immer wieder Zusätze gefüttert, kann es zu Über- oder Unterversorgung, allergischen Reaktionen oder gar Vergiftungen kommen. Entsprechendes gilt natürlich auch, wenn täglich Ei, Nudeln, Käse oder andere Lebensmittel im Napf landen.

Hier einige Beispiele:

  • Muschelkalk/Algenkalk in Gelenkpräparaten/Welpenkalk: bringt das Calcium-Phosphorverhältnis durcheinander und führt damit zu Knochenbildungs- und Mineralstoffresorptionsstörungen (s. unten)
  • Vitamin A – Überschuss (z.B. Leberfütterung): führt zu Übererregbarkeit, Knochenabbau, Leberschädigung
  • Vitamin A – Mangel: führt zu Untergewicht, Augenschäden, (Schleim-)Hautschäden, Knochenwachstumsstörung
  • Vitamin D – Überschuss (z.B. Lebertran): führt zu Verkalkungen in Organen, vermindert Knochenumbauprozesse und kann die Epiphysenfugen beeinträchtigen
  • Vitamin D – Mangel: führt zu Rachitis (Welpe/Junghund) bzw. Osteomalazie (adulter Hund)
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Wie viel Futter benötigt mein Welpe?

Die richtige Balance zwischen "zu viel" und "zu wenig" finden.

Auf die Fütterungsmenge beim Welpen achten

Die Frage der Fütterungsmenge ist ein heikles Thema bei Hundehaltern. Während die einen ihren Hund immer als völlig verhungert ansehen, fürchten sich die anderen vor Übergewicht. Der Tierarzt sieht es meist anders als der Besitzer und die Nachbarin hat wiederum eine ganz andere Meinung dazu.

Das Problem bei Welpen besteht darin, dass gängige Gewichtsbewertungssysteme / BCS (Body Condition Scores) für sie oft nicht nutzbar sind, sondern nur beim adulten Tier funktionieren. Man kann sich zwar grob an Rippen, Knochenvorsprüngen und Proportionen orientieren, spezielle Welpenwachstumskurven sind aber hilfreicher. So gibt es von vielen Futtermittelherstellern, Zuchtverbänden oder Tierärzten entsprechende Tabellen, die das Idealgewicht eines Welpen pro Lebenswoche oder Lebensmonat anzeigen. Diese können rassespezifisch oder, insbesondere bei Mischlingen, unter Zuhilfenahme des Gewichts der Eltern erstellt werden. Bei letzterem ist die „Regel“, dass der Welpe fast immer das Endgewicht des gleichgeschlechtlichen Elternteils erreicht und man sich dementsprechend an Mutterhündin oder Deckrüde orientieren kann.

Dieses Endgewicht ist auch gemeint, wenn man bei Futterangaben des Herstellers auf Dose oder Trockenfuttersack „für Endgewicht x Kilogramm y Gramm Futter füttern“ liest. Andere mögliche Angaben des Herstellers wären „im 3. Lebensmonat y Gramm Futter füttern“ oder „bei x Kilogramm aktuelles Gewicht und 4. Lebensmonat y Gramm Futter füttern“. Wenn man sich an diesen Angaben orientiert, kann normalerweise nichts schief gehen. Sollten Sie dennoch Bedenken haben, fragen Sie Ihren Tierarzt um Rat. So können Fehler in der Rationsgestaltung oder mögliche Erkrankungen, die eine Gewichtszunahme verhindern (z.B. Giardien-Befall), schnell erkannt und behoben werden. Zu beachten ist natürlich, dass Welpen, wie auch Menschenkinder, Wachstumsschübe zeigen und der Appetit und Nährstoffbedarf kurzfristig steigen kann. 

Wichtig, v.a. bei Welpen großer Rassen, ist, dass man den Gedanken „viel hilft viel“ beiseitelegt und sich auch vom süßesten Hundeblick nicht dazu verführen lässt, über dem Bedarf zu füttern. Denn eine Überversorgung an Futter bedeutet Energieüberschuss und dieser wird in Körpermasse umgewandelt. So nimmt ein zu gut gefütterter Hund schneller zu, als es die Natur geplant hat und er wird zu schwer für sein Knochengerüst, das nicht in selbem Maße mitwächst. Dadurch kann es zu schwerwiegenden Problemen kommen, die die Gesundheit des Welpen und später auch des erwachsenen Hundes gefährden (s. Punkt 7).

Es gilt also: lieber „groß hungern“ als „groß füttern“.

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Was muss ich bei Leckerli-Gabe beachten?

Die Gabe von Leckerchen muss wohldosiert sein.

Die 1:10 Regel

Bei Welpen kommen allein zu Trainingszwecken, aber auch weil sie uns einfach immer wieder um den Finger wickeln, regelmäßig Leckerchen zum Einsatz. Die meisten Hundehalter nutzen gängige Hundeleckerli, einige schwören auf Wiener Würstchen oder Käse, andere verwenden Schleckpasten oder Joghurt, wieder andere bestechen mit Katzenfutter.

Egal welche Belohnung Sie bevorzugen, das Verhältnis Leckerchen zu Hundefutter sollte maximal 1:10 betragen.

Denn sonst verschiebt sich das Nährstoffgleichgewicht und es kann zu Überversorgung oder Mangelerscheinungen kommen und die meisten Leckerchen enthalten viel Fett, was sich in einer Gewichtszunahme widerspiegeln kann.

Verwenden Sie Leckerchen der gleichen Marke wie das Welpenfutter, bieten die Hersteller oft eine Tabelle an, auf der angegeben ist, wie viele Leckerchen bedenkenlos gegeben werden können oder wie die Ration des Hauptfutters angepasst werden sollte, wenn mehr Leckerchen benötigt werden.

Zu beachten ist dabei, dass trotzdem möglichst die 1:10-Regel eingehalten wird. Denn Leckerchen haben zwar oft einen hohen Energiegehalt, aber enthalten in der Regel keine Vitamine oder andere wichtige Nährstoffe. So kann mit einem „weniger Hauptfutter füttern“ zwar die Energiezufuhr angepasst, aber evtl. ein Nährstoffmangel provoziert werden, weil die Leckerchen ja schon keine Vitamine und Co. bieten und über die reduzierte Futtermenge nun auch ein gewisser Nährstoffanteil fehlt. Falls Ihr Welpe sehr futtergierig ist und hauptsächlich Trockenfutter bekommt, können Sie tricksen und einfach die einzelnen Kroketten/Pellets des Welpenfutters als Leckerli verwenden. So umgehen Sie Gefahren einer Gewichtszunahme oder eines Mangels bei Abzug von der Futterration und können trotzdem belohnen. Gerade die Belohnung spielt bei der Welpen- und Hundeerziehung eine wesentliche Rolle, wenn man an die Wirkung der positiven Verstärkung beim Verhaltensaufbau und -abbau denkt.

Nun noch ein kleiner Hinweis zur Beifütterung: selbstverständlich darf ein Welpe auch mal etwas Gemüse, Hackfleisch und Co. gefüttert bekommen. Auch Überreste vom Nudelauflauf sind erlaubt, wenn er nicht zu stark gewürzt ist. Dies sollte aber selten und in Maßen erfolgen. Denn zum einen würde es sonst die normale Fütterungsration durcheinander bringen und Über- oder Unterversorgungen provozieren und zum anderen gewöhnt sich der Welpe sonst zu sehr an menschliche Kost und verweigert womöglich bald das Hundefutter. Beachten Sie dabei bitte auch, dass bestimmte Lebensmittel für Hunde giftig sind und Gewürze, Milchprodukte und Co. einen empfindlichen Welpendarm reizen können. Weitere Infos zu diesem Thema finden Sie in unserem Magazin oder unter der Rubrik Krankheiten.

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Muss mein Welpenfutter zwingend getreidefrei oder proteinreduziert sein?

Nein. Es muss keine getreide- und proteinreduzierte Fütterung sein.

Es kommt auch hier auf das richtige Maß und individuelle Verträglichkeiten an

Zwei Gerüchte halten sich hartnäckig in Hundeforen: das eine, dass Hunde, insbesondere Welpen, getreidefrei gefüttert werden sollen, weil sie angeblich keine Stärke oder Gluten verdauen können und dasjenige, dass Welpen proteinreduziert gefüttert werden sollen, um nicht zu schnell zu wachsen. Bitte vergessen Sie diese Ratschläge umgehend! 

Zu ersterem: Hunde sind keine Wölfe und haben sich im Laufe der Evolution an das Leben mit den Menschen und deren Nahrung, die viel Gemüse und Getreide enthält, angepasst. Entsprechend haben Hunde u.a. viel mehr Stärke-verdauende Enzyme (Amylasen) als Wölfe und können damit sehr wohl Stärke und auch Gluten verdauen. Individuelle Protein- oder Kohlenhydrat-Unverträglichkeiten oder Allergien sind zwar möglich, echte angeborene Gluten-Unverträglichkeiten hingegen selten. Bekannt ist diese bis jetzt nur familiär bedingt beim Irish Setter oder in Form spezieller Erkrankungen (z.B. Paroxysomale Dyskinesie des Border Terriers), die unter Gluten-haltiger Fütterung getriggert werden können. Ein weiterer Fehler in diesem Gedankenspiel ist, dass die meisten Hundehalter „getreidefrei“ und „glutenfrei“ gleichsetzen. Man kann einen Hund durchaus glutenfrei, aber getreidereich, oder getreidefrei, aber nicht glutenfrei füttern. Denn nicht jedes Getreide enthält Gluten. So kann auch ein Allergikerhund allergisch auf bestimmte Getreidesorten sein ohne per se eine Glutenunverträglichkeit zu haben. Mehr Infos zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel über Glutenintoleranz.

Nun zum zweiten Gerücht: aus der oben schon erwähnten Richtlinie, dass man Hunde „groß hungern“ und nicht „groß füttern“ sollte, sowie aus einer falsch interpretierten Fütterungsstudie aus dem Jahr 1974 (Hedhammar und Kollegen), schlossen einige Hundehalter, dass eine hohe Proteinzufuhr zu übersteigertem Wachstum beim Welpen und dadurch zu Schäden führen würde. Entsprechend wurde verlautet, ein Welpe müsse proteinreduziert gefüttert werden. Diese Annahme ist allerdings falsch! Denn entscheidend für die Schnelle des Wachstums ist nicht der Protein- sondern der Energiegehalt des Futters. Ein Energieüberschuss bringt den Knorpel- und Knochenstoffwechsel durcheinander, was zur Bildung instabiler Knochen und anfälliger Gelenkknorpel führt. Durch die hohe Energiezufuhr kommt es außerdem zu Gewichtszunahme, was zur Folge hat, dass die instabilen Knochen das Gewicht nicht tragen können und leichter brechen oder sich verbiegen und der anfällige Knorpel durch Überbelastung ebenfalls schneller Schaden nimmt. So kann es zu Grünholzfrakturen, Radius Curvus oder Osteochondrosis Dissecans (= OCD) kommen. Der Proteingehalt hat also mit der Wachstumsrate nichts zu tun und sollte daher nicht reduziert werden. Ganz im Gegenteil: ein hoher Proteingehalt im Futter sorgt für eine gesunde Welpenentwicklung, da er für den Aufbau von Muskelgewebe, den Zellstoffwechsel, das Immunsystem und vieles Weitere essenziell ist. Ein Mangel an Proteinen bzw. Muskelmasse führt außerdem zu kompensatorischer Fetteinlagerung, was wiederum Übergewicht und dadurch Überbelastung der Gelenke bedeutet. 

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Was benötigt mein Welpe für eine gesunde Skelettentwicklung?

Ausgewogenes, energiereiches und hochqualitatives Welpenfutter.

Mit gutem Welpenfutter ist der Welpe im Hinblick auf das Wachstum rund um versorgt

Wie unter Punkt 4 bereits erwähnt, benötigt ein gesunder Hund, der mit ausgewogenem Futter ernährt wird, keine weiteren Zusätze. Dies gilt auch für Welpen und bei diesen insbesondere für Mineralstoffzusätze wie Eierschalen, Welpenkalk, Muschelschalenpulver o.Ä.

Denn durch Zugabe calciumreicher Nahrungsmittel oder Futterzusätze zum normalen Futter, kommt es zu einer Calciumüberversorgung und v.a. auch zu einer Verschiebung des Calcium-Phosphor-Verhältnisses. Dieses ist essentiell für den Knochenstoffwechsel, der über ein ausgeklügeltes Zusammenspiel verschiedener Hormone und Mineralstoffe (z.B. Vitamin D, Parathormon = PTH, Calcium, Phosphor) geregelt wird. Kommt es zu Störungen dieses Systems sind Verkalkungen an Organen sowie Knochen- und Knorpelerkrankungen die Folge. Ebenso wird der restliche Mineralstoffwechsel in Mitleidenschaft gezogen, da Calcium nicht nur mit Phosphor um Molekül-Transporter konkurriert, sondern auch mit Zink, Kupfer und Eisen. So kann es sekundär über einen Phosphormangel zu Durchtrittigkeit oder über einen Zinkmangel zu Haut- und Fruchtbarkeitsproblemen kommen. 

Der Calciumbedarf eines Welpen liegt etwas dreimal höher als bei einem erwachsenen Hund und allein dessen Bedarf ist schon mehr als dreimal so hoch wie der eines Menschen. Es reicht also nicht aus, einem Welpen Milchprodukte zu füttern und damit auf ein gesundes Knochenwachstum zu hoffen. Der exakte Bedarf hängt vom Endgewicht und aktuellen Gewicht des Welpen ab und kann mittels spezieller Formeln berechnet werden. Das ideale Calcium-Phosphorverhältnis des Welpenfutters sollte bei 1,2-1,5:1 (Ca:P) liegen. 

Zu beachten ist auch, dass die diversen Zusätze schwierig zu dosieren sind und so, selbst wenn das Futter einen Calciummangel enthält, der ausgeglichen werden sollte, eine korrekte Ration schwer zu bewerkstelligen ist. Pulver kann leicht über- oder unterdosiert werden, Eierschalen haben sehr unterschiedliche Calciumgehalte und Knochen verschiedener Tiere ebenso. Des Weiteren kann Knochen- oder Eierschalenfütterung zu Verletzungen im Maulbereich und restlichen Magen-Darm-Trakt oder zu Verstopfung („Knochenkot“) führen, was beides natürlich auch mit erheblichen Schmerzen und Folgeschäden einhergehen kann. 

Ein ausgewogener Energiegehalt ist, wie unter Punkt 5 und 7 bereits erklärt, ebenfalls wichtig für ein gesundes Skelettwachstum. Doppelte Futterrationen sorgen also ebenfalls nicht für stärkere Knochen, sondern eher für Belastung der Gelenke und ggf. sogar Knochengewebsschwäche.

Suchen Sie sich also lieber ein ausgewogenes Welpenfutter für Ihren Liebling, füttern Sie dieses wie vom Hersteller oder Tierarzt empfohlen und experimentieren Sie nicht mit seiner Gesundheit, auch wenn es gut gemeint ist!

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Sollte ich meinem Welpen möglichst viele verschiedene Futtermittel füttern, damit er später keine Allergien bekommt?

Abwechslung ohne Übertreibung schadet nicht

Die Frage nach dem Zusammenhang der Fütterung und späterer Ausbildung von Allergien beschäftigt nicht Hundehalter, sondern auch Humanmediziner. Im Prinzip gibt es bei Mensch und Tier drei verschiedene Ansätze:

Zum einen geht man davon aus, dass ein Baby oder Welpe möglichst viele verschiedene Nahrungs-/Futtermittel kennenlernen sollte, um sein Verdauungs- und Immunsystem damit bekannt zu machen und somit Verdauungsstörungen und überschießenden Immunreaktionen (Allergien) vorzubeugen.

Zum anderen warnt man aber davor, „exotische“ Futtermittel schon im Welpenalter zu füttern, da man sonst bei einer späteren Allergieausbildung keine Futterkombination mehr in der Hinterhand hat, mit der man den Hund beschwerdefrei füttern kann. Demnach wären beispielswiese Huhn, Rind, Lachs und Co. gut für oben genanntes Verdauungstraining, aber Känguru, Wasserbüffel und Ziege sollte man sich für den „Notfall“ aufheben.

Ebenso sollte man vorsichtig sein, wenn der Welpe Durchfall bekommt oder anderweitige Verdauungsprobleme zeigt. Denn bei einer Magen-Darm-Erkrankung ist in der Regel die Darmschleimhaut angegriffen und damit durchlässiger für Nahrungsbestandteile. So kommen Moleküle aus dem Futterbrei „ungefiltert“ mit Immunzellen in Kontakt, auf die sie sonst nicht treffen würden und können eine Immunreaktion auslösen, die in einer späteren Futtermittelallergie endet.

In solchen Krankheitsfällen also lieber nur eine Futtersorte wählen und erst nach der Genesung wieder andere Sorten zufüttern.

Darüber hinaus sind noch weitere Dinge zu beachten:

Zum einen sollte bei Fütterung mehrerer Sorten auf die Ausgewogenheit jeder einzelnen Sorte geachtet werden („Alleinfuttermittel“, „für Welpen“ etc.), um keine Überversorgung oder Mängel zu verursachen, zum anderen macht es Sinn, verschiedene Sorten der gleichen Marke zu wählen, da sich Hunde nicht nur an die Zusammensetzung, sondern auch die Verarbeitung, Konsistenz und Geruch ihres Futters gewöhnen, der natürlich bei verschiedenen Herstellern unterschiedlich ist.

Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist die Frequenz des Wechselns. Je nach Zusammensetzung der Sorte (z.B. 90% Fleisch vs. 50:50 Fleisch: Gemüse oder fettarm und fettreich), muss der Magen-Darm-Trakt unterschiedliche Enzyme zur Verdauung bereitstellen. Wird nun jeden Tag eine andere Sorte aufgetischt, kann allein dieser Wechsel zu Verdauungsproblemen führen, weil der Körper mit der Enzymumstellung nicht hinterherkommt. Es lohnt sich also, eine „Hauptsorte“ herauszusuchen und nur abundzu andere Sorten beizufüttern. Es wäre aber auch nicht dramatisch, wenn ein Hund lebenslang nur eine Futtersorte erhält, solange diese auf seinen Nährstoffbedarf ausgerichtet ist.

Das verhindert auch, dass der Hund sehr wählerisch wird und sie ständig angebrochenes Futter wegschmeißen müsse, weil der kleine Feinschmecker auf eine neue Sorte wartet.

Bringen Sie also ruhig einmal Abwechslung in den Futteralltag, übertreiben Sie es aber nicht und bleiben Sie bei bettelndem Hundeblick standhaft, wenn Ihr Liebling es zu arg ausreizt!

Mit diesen 9 Punkten, sollten die größten Fütterungsfragen rund um Welpen und Junghunde beantwortet und das Thema ein wenig übersichtlicher geworden sein. Weitere Informationen zu Fütterungsfehlern oder Magen-Darm-Themen finden Sie in unserem Artikel Do’s and Don’ts der Hundefütterung sowie unter der Rubrik Krankheiten. Viel Spaß beim Lesen und Naschen! 😉

 

https://epaper.derpraktischetierarzt.de/html5/61bMCz2OwK/jTLLPT9k3B6Am/41?article=24aeb9d67de44bd685257196473fa731

Supplemente der Tierernährung, 12. Auflage, M. & H. Schaper Verlag

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