Mantrailing, Nasenarbeit, Fährtenarbeit

Was ist was und wie entstand es?

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Zuletzt aktualisiert am: 5.10.2023

Ein braun weiss schwarzer Hund mit heraushaengender Zunge und Johanniter Unfall Hilfe Geschirr.jpg

Mantrailing, Nasenarbeit, Fährtenarbeit aber auch Flächensuche, Geruchsidentifikationssuche oder Zielobjektsuche kennt jeder.

Was sind die Unterschiede?

Dieser Frage gehen wir in den weiteren Ausführungen unseres Artikels detailliert nach und wollen euch entsprechende Antworten liefern. 

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Was ist Nasenarbeit?

Begriffe wie Mantrailing, Nasenarbeit, Fährtenarbeit aber auch Flächensuche, Geruchsidentifikationssuche oder Zielobjektsuche sind in aller Munde und werden teilweise synonym verwendet.

Nasenarbeit als Oberbegriff für alle Aktivitäten von Mantrailing bis zur Fährtenarbeit

Der Tradition folgend, dass die Hunde über Jahrtausende für uns mit der Nase arbeiteten, kann der Begriff der Nasenarbeit als Oberbegriff für alle Arten des Hundesports unter Einsatz der Hundenase genutzt werden, vom Mantrailing über die Fährtenarbeit bis hin zur Trümmer- und Flächensuche.

Alle diese Einsatzmöglichkeiten finden auch heute noch nicht nur im Hundesport Anwendung als Freizeitbeschäftigung, sondern immer noch als ernsthafter Job der Hunde im Rahmen von semi-professionellen Rettungshundestaffeln aus privaten, aber sehr verantwortungsvollen Hundeführern und ihren leistungsstarken Hunden oder in gänzlich professionellen Diensthundestaffeln bei Polizei und Zoll statt.

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Die archaischen Anfänge der menschlich-hündischen Lebensgemeinschaft liegen in der Nase

Was haben unsere Höhlen bewohnenden Vorfahren schon so sehr an Wölfen schätzt, dass sie die zahmeren in ihre Gemeinschaft integrierten?

Nasenarbeit – aus 230 Millionen Gründen das größte Talent von unserem Partner Hund

Die Nasenarbeit war seit der Domestizierung der Wölfe, Schakale und anderer Hundeartiger, das von uns Menschen meist genutzte Talent und Hauptgrund, dass Menschen Hunde lieben. Der Grund hierfür ist schnell gefunden: Jeder Hund verfügt, in Abhängigkeit der Nasengröße, mit ca. 230 Millionen Riechzellen über einen Geruchssinn, der 1.000mal mehr Stoffe unterscheiden kann und einigen dieser Stoffe gegenüber 10 Millionenfach empfindlicher ist als die menschliche Nase. Klar, dass also Möpse und andere Hunderassen, deren Köpfe kurz und gedrungen sind, keinen der vorderen Plätze belegen, weil der Platz für viele Geruchszellen fehlt.

Nasenarbeit – die Anfänge liegen in der Jagd

In der Nasenarbeit auf der Jagd lag wohl einer der Gründe, warum wir Menschen aus Wölfen vor 15- bis 33tausend Jahren überhaupt unseren Partner Hund schufen, indem wir sie aufgenommen und domestiziert haben. Die ersten Hunde halfen uns aktiv im Kampf ums Überleben, indem sie uns mit ihrer feinen Nase bei der Sucharbeit halfen, das Wild, das wir jagten, aufzustöbern oder von uns verletzte Tiere, die geflüchtet sind, anhand ihrer aus dem Geruch ihres Körpers, dem Schweiss genannten Blut und Bodenverletzungen bestehenden Spur oder Fährte zu finden. Damit waren sie von Anfang an Gebrauchshunde, deren erstes Einsatzgebiet die Fährtenarbeit auf der Jagd war.

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„kultivierte“ Einsätze der Hundenase

Der steigende Wohlstand durch Wandlung vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern schuf die ersten Hochkulturen. Wie wirkte sich das auf die Nasenarbeit der Hunde aus?

Von der jagenden Spürnase zum Menschenjäger

Die Wandlung von der jagenden Spürnase hin zum Mantrailer genannten Menschenjäger ging mit der Wandlung vom Jäger und Sammler hin zur bäurerlichen und Sklaven haltenden Kultur einher. Spätestens als die ersten Sklaven entlaufen waren und gefunden werden sollten, wurde Partner Hund zur Personensuche eingesetzt, um die vermisste Person anhand einer Duftspur zu finden. Eine solche Verwendung der Hundenase ist aus dem antiken Rom belegt und ist ein erster Schritt in Richtung der weitgefächerten Verwendungen des größten Talentes unserer liebsten Haustiere außerhalb der Jagd.

Vom antiken römischen zum neuzeitlichen amerikanischen Mantrail-Sklavenjäger

Das antike Rom und das neuzeitliche Amerika trennen viele Jahrhunderte, sondern auch der große Teich. Vieles verbindet aber auch Amerika mit Rom, so nicht nur die Architektur des weißen Hauses, sondern auch die Sklavenhaltung, die Hunde erneut zu Sklavenjägern machte. Hierfür wurde in den USA eigens der Bloodhound gezüchtet um ihn im Rahmen des Mantrailings den individuellen, Trail genannten, Duftspuren von Sklaven folgen zu lassen. Bei dieser Personensuche steht das Finden der vermissten Person im Vordergrund und nicht die Sicherung von Beweismitteln, also Gegenstände der vermissten Person auf der Fährte verloren haben könnte. Daher ist es auch unerheblich, dass der Trail genannte Individualgeruch durch den Wind abgetrieben und einige zig-Meter neben der von der vermissten Person gelaufenen Strecke liegen kann.

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Von (der wenig sympathischen Rolle in) Django Unchained zum allseits beliebten Kommissar Rex

Auch die Polizei machte sich die feine Hundenase zu Nutze

Vom Sklaven-Jäger zur Polizei als Freund und Helfer

Der Weg vom Sklaven-Jäger zu einer Karriere bei der Polizei als Freund und Helfer war nicht weit. Unsere Vorfahren auf beiden Seiten des großen Teichs wussten seit der Antike, dass ihre Fellnasen sehr wohl im Stande sind, Personensuchen erfolgreich abzuschließen, was für die Polizei über auf der Welt bei der Verbrecherjagd von Interesse war und ist. In Amerika stand hierbei, der Tradition folgend, das Auffinden der vermissten Person mittels trailen im Vordergrund. In Europa, vor allem in Deutschland, beschritt man andere Wege.

Polizeihunde in Deutschland müssen nicht nur Fährtenarbeit leisten

In Deutschland sollten Polizeihunde nicht nur vermisste Personen finden, sondern die Hundeführer mussten auch auf Fährten liegende Beweisstücke sichern, weshalb Trailen hier nicht reichte, sondern der Laufspur der vermissten Person genau gefolgt werden musste, in deren umittelbarer Nähe diese zu finden sind. Dieser Laufspur zu folgen ist möglich, weil die Fußabdrücke den Boden und die dort lebenden Tiere und Pflanzen verletzen, was den Geruch dieser Stellen verändert.

Allerdings müssen Polizeihunde, die auch Diensthunde genannt werden, in Deutschland neben der Nasen- oder Fährtenarbeit noch weitere Aufgaben erledigen:

Sie sollen die vermisste Person nicht nur finden, sondern auch stellen, also gewaltsam festhalten und damit von einer weiteren Flucht die Zielperson abhalten. Dazu benötigt das Tier die sogenannte Mannschärfe. Damit solche Attacken kontrolliert ablaufen können, muss der Diensthund sehr gehorsam sein, weshalb die Erziehung zum Polizeihund großen Wert auf die Unterordnung des Hundes vom Welpen an unter den Hundeführer legt.

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Die Hundenase als Lebensretter

Nicht nur die Polizei, sondern auch Hilforganisationen erkannten den Nutzen der Hundenase

Menschenfreundlichere Einsatzmöglichkeiten durch Lawinen

Eine menschenfreundlichere Einsatzmöglichkeit, durch die die vermisste Person den Partner Hund lieben lernen konnt, lag in Alpinen Ländern auf der Hand, in denen häufig Lawinen Menschen begruben. Dort zielte die Erziehung der Welpen schon früh auf die Suche nach verschütteten und vermissten Personen mittels Schnüffeln. Hierbei kam es weniger auf das Verfolgen einer Spur, als auf das Absuchen einer Fläche an. Hieraus leitet sich heute die Disziplin der Flächensuche ab, die heute noch eine wesentliche Säule der Rettungshundearbeit ist und der Hundsportart Zielobjektsuche ist.

Rettungshundestaffeln

Die meisten Rettungshundestaffeln sind in privaten Vereinen organisiert, denen jeder beitreten kann.

Die private Organisation der Rettungsstaffeln bringt, im Gegensatz zur staatlichen Organisation der Polizei, das Training betreffend, einige Änderungen mit sich.

Zum einen steht zwar das Training jedem, der der Staffel beitreten und sich zuverlässig und ernsthaft engagieren will, offen. Andererseits verfügen sie häufig über keine eigenen Trainingsgelände und müssen entsprechend auf auch von Hundesportlern genutzte Gelände zurückgreifen.

Grundsätzlich bestehen Rettungshundestaffeln aus Teams, die entweder auf Mantrailing oder die Flächensuche, auch in der Spezialvariante der Trümmersuche spezialisiert sind, um auf die Anforderungen einzelner Rettungseinsätze reagieren zu können und mit Hilfe der besonderen Fähigkeiten der ausgebildeten Rettungshunde möglichst Menschen aufzuspüren und ihr Leben zu retten. Die Fährtenarbeit spielt hier keine große Rolle, sie wird heute nur als Sportart und eigenständige Disziplin im Rahmen des Vielseitigkeitssports VPG betrieben.

Geruchsidentifikationssuche

Bei der Geruchsidentifikationssuche kommt es auf das Finden, Erkennen und Melden spezieller Stoffe an. Da Partner Hund, wie oben schon festgestellt, 1.000mal mehr Geruchstoffe unterscheiden kann, als der Mensch, ist auch klar, dass man einen Partner Hund hierauf trainieren kann. Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig. Klar, dass die Polizei und der Zoll sie ebenfalls nutzen, vor allem, um Drogen, Waffen oder Sprengsoff zu finden. Denkbar sind aber auch zivile Einsätze von Schimmelsuchhunden, die nach giftigen Schimmelpilzen in Gebäuden suchen oder den Atem von Menschen nach Krankheiten absschnüffeln zu lassen.

Von den Polizeihundesportvereinen zum Vielseitigkeitssport (VPG) mit IPO-Prüfungen

Die ersten Polizeihundesportvereine entstanden aus Polizeihundestaffeln, in denen die Diensthunde und Polizeihundeführer organisiert waren. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden diese in Deutschland, um die Leistungen der Vierbeiner und ihrer Hundeführer in den drei wichtigen Kategorien Fährtenarbeit, Schutzdienst und Gehorsam an anderen Diensthunde-Teams zu messen, wobei die Fährten hier von einem Fährtenleger genannten Helfer gelegt wurden. Hieraus ging der Schutzhundesport hervor, benannt nach dem Teilfach Schutzdienst, bei dem es um die Mannschärfe und dem befohlenen Angriff auf Menschen geht. Zwischenzeitlich wurde diese Sportart treffender Vielseitigkeitssport genannt. Die Abkürzung VPG stand für die Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde. Heute werden Prüfungen nach der Internationalen Gebrauchshundeprüfungsordnung, abgekürzt IPO, abgenommen.

Von den Rettungseinsätzen zu Mantrailing und Zielobjektsuche

Da die privat organisierten Rettungshundestaffeln nicht so abgeschottet trainieren, wie staatliche Einheiten, und auch ehemalige Rettungshundeführer, die der Rettungshundestaffel wegen geänderter Lebensumstände nicht mehr die gebotene Zeit zur Verfügung stellen können, aber immer noch gerne mit den Nasen Ihrer Hunde arbeiten, entwickelten die Disziplinen Mantrailing, Flächensuche und Trümmersuche recht schnell rein sportliche Varianten, teilweise eingebettet in andere Sportarten. So ist und bleibt Mantrailing eine Sportart für sich, während die Flächensuche und die Trümmersuche als Teildisziplinen in die Zielobjektsuche eingeflossen sind.

Zielobjektsuche (ZOS) - eine Kombination aus drei Disziplinen

Bei der Zielobjektsuche handelt es sich um eine Sportart, bei der Hunde eine Geruchsidentifikationssuche absolvieren müssen. Es geht also darum, spezielle Gegenstände anhand ihres Geruchs unter anderen herauszuschnüffeln. Allerdings kann diese Suche entweder auf einer Fläche oder einem nachgestellten Trümmerfeld erfolgen, sodass die Flächensuche und die Trümmersuche ebenfalls eine Rolle spielt.

Freie Wahl für Dich und Deinen mit feiner Fellnase ausgerüsteten Partner Hund

Heute bieten sich für den Hunden viele Suchspiele und Beschäftigungsmöglichkeiten rund um Gerüche, die alle dem ursprünglichen Wesen des geruchsempfindlichen Hundes nahekommen und für Deinen besten Freund daher ideal geeignet sind. Wenn Du mehr über die ein oder andere Sportart wissen möchtest, findest Du in unserem Sport- und Erziehungsbereich diese und viele andere Sportarten detailliert erklärt.

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