Frühsommer-Meningoenzephalitis beim Hund

FSME - Virusinfektion beim Hund durch Zeckenbiss übertragen

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Zuletzt aktualisiert am: 13.9.2023

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Frühsommer-Meningoenzephalitis

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine virusbedingte Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Hunde erkranken selten, dann aber meist mit kritischem Verlauf. Eine spezifische Therapie ist nicht vorhanden und eine Heilung daher nur in wenigen Fällen und unter schwierigen Bedingungen möglich. Impfungen sind nicht vorhanden. 

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Erklärung: Was ist eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) beim Hund?

Um was für eine Krankheit beim Hund handelt es sich, wie wird sie diagnostiziert und wie sieht das klinische Bild aus?

Erklärung

Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ist eine Infektionserkrankung, die zur Entzündung der Hirnhäute („Meningen“) und des Gehirns („Enzephalon“) führt. Ausgelöst wird sie durch Viren (FSME-Viren = TBEV), die bei Zeckenbissen übertragen werden. Man unterscheidet dabei 3 Subtypen dieser tick-borne-encephalitis-Viren (=TBEV), je nach geographischem Vorkommen (Western-European TBEV in Europa, Far-Eastern TBEV in Russland/Asien und STBEV in Sibirien). Alle diese Viren sind eigentlich auf den Menschen spezialisiert und lösen nur sporadisch Infektionen bei Hunden aus. Als Überträger dienen Schildzecken der Gattung Ixodes. In Europa ist dies hauptsächlich der „Gemeine Holzbock“ (Ixodes ricinus). Er ist weitverbreitet, findet sich aber auf europäischer Ebene eher in östlichen Gebieten und hierzulande eher in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg). 

Wird ein Hund (oder Mensch) von einer befallenen Zecke gebissen, hindert das Immunsystem die Viren normalerweise an der Vermehrung und bekämpft sie erfolgreich. Bei vielen Hunden sind Antikörper gegen FSME-Viren im Blut nachweisbar (= hatten Kontakt zu diesen Viren und haben durch erfolgreiche Immunabwehr Antikörper entwickelt), ohne dass eine Infektion erkennbar gewesen ist. Auch werden nur selten FSME-Fälle diagnostiziert. Daraus ist zu schließen, dass Hunde weniger empfänglich für die Erkrankung zu sein scheinen als Menschen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass, trotz geringer Empfänglichkeit, die Erkrankungsrate höher liegt als angenommen. Möglicherweise werden Infektionen mit typischen Symptomen fälschlicherweise anderen Krankheiten zugeordnet oder mildere Verläufe nicht weiter untersucht, wodurch kein FSME-Nachweis bei erkrankten Tieren erfolgt und dokumentiert wird. 

Milde Verläufe sind durch kurzzeitiges Fieber, Abgeschlagenheit und eventuell Kopf- und Gliederschmerzen charakterisiert. Die Tiere fallen entsprechend, durch weniger Bewegungsfreude auf. Solche kurzzeitigen Erkrankungen sind beim Hund aber selten. Hier scheint eher das Alles-oder-Nichts-Prinzip zu gelten: entweder symptomlose Erkrankung (mit oder ohne Antikörperbildung) oder aber eine heftig verlaufende Infektion, die über kurz oder lang zum Tod des Tieres führt. Die Viren siedeln sich dabei im zentralen Nervensystem (ZNS) an und führen zu einer Entzündung der Hirnhäute („Meningen“) und des Gehirns („Enzephalon“). Es kommt zu hohem Fieber, das in Schüben verlaufen kann. Die Tiere werden zunehmend ruhiger, fressen weniger bis nichts und zeigen Erbrechen. Entsprechend der ZNS-Beteiligung kommt es zu nervalen Ausfällen wie Bewusstseinsstörungen, Koordinationsstörungen, Zittern, Krämpfe oder Lähmungen. Typische Anzeichen für eine Beteiligung der Hirnhäute sind Schmerzen im Halsbereich und allgemeine Überempfindlichkeit (Hyperästhesie). Dadurch zeigen betroffene Hunde oft Schmerzäußerungen oder Abwehrreaktionen bei kleinsten Berührungen, die sie normalerweise ohne Probleme tolerieren. 

Die Prognose ist relativ ungünstig. Bei milden Verläufen kann es zu vollständiger Heilung kommen. In den meisten Fällen verläuft die Infektion aber so schwer, dass die Hunde spontan versterben oder aber die Symptome so heftig und langanhaltend sind, dass die Lebensqualität erheblich eingeschränkt und eine Euthanasie angeraten ist. 

Die Diagnose einer FSME-Infektion kann meist erst nach dem Tod des Tieres über direkten Erregernachweis im ZNS-Gewebe gestellt werden. Denn am lebenden Hund kann nicht ohne Risiko solches Gewebe entnommen werden und ein Antikörpernachweis im Blut ist nicht aussagekräftig, da unter Umständen Antikörper aus vorherigen symptomlosen Infektionen vorhanden sind oder sogenannte Kreuzreaktionen mit ähnlichen Antikörpern auftreten und ein falsch positives Ergebnis liefern können. Werden allerdings Antikörper im Liquor nachgewiesen und passen Symptome und Vorgeschichte (Aufenthalt in Risikogebieten, Zeckenbefall) zu einer FSME-Erkrankung, ist eine Infektion mit TBEV sehr wahrscheinlich. 

Eine spezifische Therapie gegen FSME-Viren ist derzeit nicht bekannt. Es kann also ausschließlich symptomatisch mit intensiver Pflege und Betreuung, Physiotherapie, künstlicher Ernährung und Medikamenten behandelt werden. Dies ist eine sehr zeit- und geldaufwendige Prozedur, die keine Heilung garantiert. Aufgrund der schlechten Erfolgschancen und der verminderten Lebensqualität, endet die Erkrankung meist in der erwähnten Euthanasie. 

Da auch keine Impfung vorhanden ist, bleibt als prophylaktische Maßnahme nur ein geeigneter Zeckenschutz. Hierfür eignen sich zeckenabwehrende oder –abtötende Wirkstoffe in Form von Halsbändern, Tabletten oder Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung („Spot-On“). Diese gibt es jeweils in verschiedenen Stärken und Kombinationsmöglichkeiten. Welches Präparat die richtige Wahl für Ihren Hund ist, können Sie bei Ihrer betreuende Tierarztpraxis erfragen. Pflanzliche Mittel wie Kokosöl, Margosa-Extrakt oder ätherische Öle sind hierbei nicht geeignet, da sie nur unzureichend Schutz bieten. Sie zielen darauf ab, den Körpergeruch der Hunde zu beeinflussen, um so die Zecken zu verwirren, die ihre „Beute“ über Wärme und Geruch (hauptsächlich Butter- und Milchsäure) wittern. Bei Hunden, die sich hauptsächlich in zeckenarmen Gebieten aufhalten oder allgemein unempfindlich gegen Zeckenbefall sind (so wie manche Menschen weniger von Mücken heimgesucht werden als andere), mag dies funktionieren. In Risikogebieten und zu zeckenstarken Jahreszeiten (Frühjahr/Herbst) ist die Erfolgschance aber gering. Der Gedanke, dass pflanzliche Mittel weniger schädlich sind als andere Präparate, ist ebenfalls ein Trugschluss. Auch Margosa und Co müssen vom Körper verstoffwechselt werden und können allergische Reaktionen auslösen. Besonders wenn sich zusätzlich Katzen im Haushalt aufhalten ist Vorsicht geboten! Katzen reagieren sehr empfindlich auf ätherische Öle und können im schlimmsten Fall einen anaphylaktischen Schock erleiden. Die Benutzung medizinischer Antiparasitika nach tierärztlicher Absprache ist daher in Bezug auf Wirksamkeit und Verträglichkeit die beste Lösung. Trotz allem sollte aber nicht auf eine eingehende Untersuchung des Hundes nach Ausflügen in Wald und Wiese verzichtet werden. Denn nicht jedes Mittel wirkt hundertprozentig und abgewehrte, aber noch lebende Zecken, fallen eventuell ab und suchen sich im heimischen Wohnzimmer statt Tier eventuell den Menschen aus.

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Was führt zur Frühsommer-Meningoenzephalitis beim Hund? Risiken & Ursachen

Welche Risikofaktoren und Ursachen sind für die Frühsommer-Meningoenzephalitis beim Hund bekannt?

Risikofaktoren

  • Aufenthalt in FSME-Risikogebieten (Wiesen, Wälder, v.a. Süddeutschland bzw. Osteuropa)
  • unzureichender Zeckenschutz
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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Symptome & Krankheitsanzeichen beim Hund

Welche Symptome und Krankheitsanzeichen sind für die Frühsommer-Meningoenzephalitis beim Hund bekannt und wie äußert sie sich?

Symptome & Krankheitsanzeichen

  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • nicht klar definierbare Schmerzen / Gliederschmerzen / Hyperästhesie 
  • Schmerzen im Nackenbereich
  • nervale Ausfälle (Zittern, Koordinationsstörungen, Lähmungen, Krämpfe)
  • Bewusstseinsstörungen
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Behandlung & Therapie einer Frühsommer-Meningoenzephalitis beim Hund

Wie kann die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) beim Hund behandelt und therapiert werden?

Behandlung

symptomatische Therapie

  • intensive Pflege/Betreuung                          
  • Flüssigkeitszufuhr
  • künstliche Ernährung
  • Schmerztherapie
  • Krampflöser 
  • Physioterapie
  • sonstige Beeinflussung der Symptome
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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) beim Hund - Vorbeugung & Prävention

Welche präventiven Maßnahmen helfen hinsichtlich der Frühsommer-Meningoenzephalitis und was kann der Halter vorbeugend tun?

Vorbeugung

  • Aufenthalt in Risikogebieten vermeiden
  • nach Aufenthalt in Risikogebieten Durchsuchen des Hundes auf Zeckenbefall
  • Zeckenprophylaxe! (Halsband, Spot-On oder Tablette mit medizinischem Wirkstoff)

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