Merle-Faktor beim Hund

Was ist der Merle-Faktor bei Hunden?

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Zuletzt aktualisiert am: 19.12.2023

Ein Australian Shepherd steht am Wasser und schaut in die Ferne.jpg
Synonyme
  • Merle
  • Merle-Syndrom

Der Merle-Faktor ist ein Gendefekt, bei dem es zu einer Mutation des sogenannten Silver-Locus-Gens kommt, der auf dem Chromoson CFA10 basiert. Durch Vererbung wird der Genedefekt bei Hunden mit dem Merle-Gen im Erbgut, an die nachfolgende Generation weitergegeben. Die Folge ist eine Farbverdünnung und gestörte Pigmentierung, wodurch z.B. das Fell stellenweise aufgehellt wird und andere Stellen nicht betroffen sind.

Für die Fellfärbung sind die Pigmente Eumelanin, eigentlich für Schwarz und Braun zuständig und Phäomelanin verantwortlich. Durch den Gendefekt wird aber das Pigment Eumelanin beeinflusst, das Merle-Gen sorgt dafür, dass das Pigment verdünnt und aufgehellt wird, wodurch es zu deutlich helleren Farbtönen bis hin zum Grau/Silber kommt. Die Folge ist, dass die Färbung des Hundefells an diesen Bereichen aufhellt, wohingegen die Fellbereiche mit Phäomelanin unberührt bleiben.

Die Auswirkung im Hinblick auf mögliche farbliche Fellfarbkonstellationen und -variationen ist groß. Denn es können in den schwarzen oder braunen Fellanteilen mit dem Pigment Eumelanin, partielle Pigmentstörungen verursacht durch den Merle-Faktor auftreten, so dass dann die schwarzen und braunen Fellbereiche unregelmäßig mit helleren Stellen gescheckt, schattiert, gefleckt und gemustert sind. Dadurch entsteht die charakteristische Fellzeichnung und Marmorierung wie wir es z.B. beim beliebten Australian Shepherd mit der Blue-Merle-Färbung des Haarkleids kennen.

Ferner ist auch die Augenfarbe des Hundes durch den Merle-Faktor mitunter unregelmäßig betroffen, so dass es bei den betreffenden Hunden zu unüblichen Augenfärbungen kommt, durchaus auch beidseitig unterschiedlich. So sind bei Hunden mit dem Merle-Gen beidseitig braune Augen möglich, aber durchaus auch blaue, einseitig braun und blau, als auch Farbkombinationen in denen ein Auge braun und blau in einem bestimmten Verhältnis und Muster gezeichnet und farblich gemischt ist. In extremen Fällen der Hypopigmentation können die Augen sehr hell bis weiß sein, was einen durchsichtigen Charakter erzeugt, hier spricht man daher auch vom sogenannten Glasauge.

Neben den vorgenannten Fellfarbveränderungen und unüblichen Augenfärbungen, bringt der Merle-Faktor aber auch gesundheitliche Risiken für die Nachzuchten, also Welpen, bei Züchtung mit Hunden, die das Merle-Gen haben, mit. Wird dem Welpe durch Vererbung das Gen weitergegeben und trägt den Merle-Faktor, so können schwere Augenkrankheiten bis hin zur vollständigen Blindheit ab Geburt die Folge sein. Ebenso ist häufig das Gehör betroffen, sprich die Welpen sind taub. Daneben gibt es auch tiermedizinische Nachweise, dass Welpen mit dem Merle-Faktor im Hinblick auf ihre körperliche Entwicklung ihren Wurfgeschwistern hinterherhinken und unterentwickelt sind, teilweise von schwersten Missbildungen wie u.a. im Bereich ihres Skeletts oder organischen Fehlbildungen wie am Herzen leiden. Die Folgen sind ein deutlich eingeschränkter Aktivitätsgrad, fehlende Lebensenergie und Lebensfähigkeit, was mitunter zum frühen Versterben der neugeborenen Hunde in den ersten Monaten ihres jungen Lebens führt. Die Schwere der potentiellen Risiken und Belastungsfaktoren steigt überproportional an, wenn es sich um reinerbige (homozygoten) Hunde mit Merle handelt.

Auf Grund dieser Tatsache wird das Züchten mit Merle-Hunden, trotz der enormen Beliebtheit bei vielen Hundehaltern, sehr kritisch betrachtet und tierschutzrechtlich im Hinblick auf extreme Zuchtmerkmale besorgt und skeptisch beäugt, wie wir in einem gesonderten Artikel mit dem Titel "Qualzucht – Wie Hunde unter der Qualzucht leiden" auf Grundlage eines Sachverständigengutachtens im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beschrieben haben.

Generell kann der Merle-Faktor bei allen Hunden auftreten, sprich Rassehunde, Hybridhunde und Mischlingshunde mit entsprechenden Erbfaktoren betreffen.

Abschließend wollen wir euch noch einen Überblick geben, welche anerkannte Hunderassen u.a. in der Rassehundezucht mit dem Merle-Faktor konfrontiert sind:

Ihr seid auf der Suche nach weiteren Hunderassen, bei den Merle vorkommt? Dann klickt nun auf unsere Rassebeschreibungen, um die Porträts der einzelnen Rassen dahingehend zu Durchsuchen.

Liebäugelt ihr tatsächlich mit der Anschaffung eines Merle-Hundes, so bereitet euch äußerst sorgsam und umfangreich rund um den Hundekauf vor, damit ihr einen gesunden Welpen bekommt. Wir haben diesbezüglich für den Welpenkauf eine generelle Checkliste in unserem Artikel "Was muss ich rund um den Welpenkauf alles beachten?" hinterlegt. Denn hier kommt es umso mehr darauf an, bei seriösen und kompetenten Züchtern zu kaufen, die nach kontrollierten und festgelegten Bestimmungen züchten und ihre Nachzuchten durch Zuchtwarte abnehmen lassen, damit gesundheitlich einwandfreie Welpen vermittelt werden, die u.a. im Hinblick auf den Merle-Faktor und das Merle-Gen getestet und untersucht wurden. Lasst euch dies mit allen offiziellen Papieren und Untersuchungsnachweisen dokumentieren, schließlich dient dies eurer Sicherheit und dem Wohlergehen der Welpen.

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