Jagility

Agility für Hunde mit jagdlichen Ambitionen

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Zuletzt aktualisiert am: 13.10.2023

Ein Deutscher Schaeferhund mit Futterbeutel im Maul laeuft im Wald auf den Betrachter zu.jpg

Das wichtigste in Kürze

  • Beim Jagility werden Körper und Geist, Sinnesorgane und Beutetrieb optimal einbezogen
  • Teamarbeit von Hund und Mensch beim Lösen der Aufgaben ist gefragt
  • Spaß am Suchen und Finden versteckter Beute steht mit Elementen des Agility im Fokus
  • Konzentration, Koordination, Kooperationsbereitschaft, Kommunikation werden gefördert
  • Spiel, Spaß, Spannung, Geschicklichkeit und Bewegung stehen im Fokus
  • Alle Rassen, Designerhunde und Mischlinge sind beim Jagility gerngesehen
  • Bevor es losgehen kann, den Hund vom Tierarzt durchchecken lassen

Jagility vereint Agility mit Elementen des Jagdverhaltens, indem Futterdummies im Parcours versteckt werden, die der Hund als Beute aufstöbern und apportieren soll.

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Was ist Jagility?

Jagility ist ein Hundesport, der eine weiterentwickelte Variante des allseits beliebten Agility ist. Wie es der Name der Hundesportart Jagilty bereits vermuten lässt, ist es eine Kombination aus Agility-Elementen angereichert mit einer Brise Jagd. Denn es gilt beim Jagility als Team Hund und Mensch in einem Parcours, versteckte Futterbeutel ausfindig zu machen. Dies natürlich mit Hilfe der Nasenarbeit, sprich mit dem Geruchs- und Orientierungssinn.

Beim Jagility stehen also einerseits Suchaufgaben im Fokus. Der Hund soll durch sein Schnüffeln die versteckte Beute in Form von Futterbeuteln suchen und mit seinem Menschen an der Seite auf die "Jagd" nach diesen in einem angelegten Hindernisparcours gehen. Demnach gilt Jagility für jagdpassionierte Hunde/Rassen als willkommene Jagdersatzbeschäftigung, um auf kontrollierte Weise den Jagdtrieb gezielt anzusprechen und das Beutefangverhalten in eine geeignete Beschäftigung umzuleiten. Auch für ausgebildete und aktiv geführte Jagdhunde, kann das Jagility außerhalb der Jagdsaison zur "jagdlichen" Auslastung mit beitragen.

Jagility ist eine Hundesportvariante, die Körper und Geist gleichermaßen beschäftigt. Es werden die physischen Anlagen durch Bewegung und Geschicklichkeit bei der Bewältigung der Jagility-Aufgaben und die kognitiven Fähigkeiten unter Einsatz aller Sinne des Hundes gefordert und gefördert. Und das auf eine schonende Art und Weise, denn es geht beim Jagility nicht darum durch den Parcours zu hetzen und dabei andere Teams im Wettbewerb auf Zeit zu schlagen, sondern die Aufgaben im eng aufeinander abgestimmten und eingespielten Teamwork zu lösen. Der Futterdummy als Beuteersatz, soll gemeinsam mit dem Hundeführer aufgestöbert werden, um ihn dann an einen Tisch zu apportieren und dort abzulegen.

Und auch wenn es beim Jagility an offiziellem Wettkampfmodus fehlt, heißt es nicht, dass die Übungen beim Jagility einfach mal so ohne Einsatz und Fokussierung erledigt werden können. Es ist konzentrierte Kopfarbeit, Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit, Arbeitseifer und Finderwille gefragt - immer unter dem Aspekt, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Ferner muss auch körperlich etwas abgeleistet werden. Denn beim Jagility sollen bei der Suche nach der Beute, unterschiedlich anspruchsvolle Hindernisse und Geräte in Anlehnung an die Aufgaben beim Agility, durchlaufen werden. Und diese haben es auf dem Weg zum Aufstöbern des versteckten Futterdummys durchaus in sich. Es ist Mut, Beweglichkeit, Geländegängigkeit, Gewandtheit und Agilität gefragt. Auch ausreichend Ausdauer und ein gutes Laufvermögen können nicht schaden.

Bei der Suche der versteckten Ersatzbeute beim Jagility, kann die Fellnase sich voll einbringen, mit all ihren Anlagen, Fähigkeiten und Stärken entfalten und kontrolliert ausleben. Dabei kann der Hund mit guter Koordination und Körperbeherrschung die Hindernisgeräte überwinden. So z.B. die bekannte Wippe aus dem Agility-Parcours. Dabei leitet und weist der Hundeführer seinen Hund durch intensive Kommunikation an. Es kommen Hör- und Sichtzeichen für erwünschtes Verhalten zum Einsatz. Folglich wird beim Jagility zwangsläufig auch der Gehorsam und die Führung des Hundes durch den Hundeführer trainiert, was dem Hund-Mensch-Gespann dann auch für die Alltagstauglichkeit abseits des Jagility zu Gute kommt.

Die Suche der Futterbeutel kann dann ebenso herausfordernd sein und dabei dem Hund ein wenig Kreativität beim Aufstöbern abverlangen. Es ist intelligentes, konzentriertes, ruhiges und geduldiges Vorgehen gefragt. Denn hin und wieder kann die Suche etwas tricky sein, wenn die Fellnase mit Schnauze und Pfoten sich an einer Schublade eines Schranks zum Auffinden des Futterdummys versuchen muss. Der Weg ist beim Jagility das Ziel. Auch bei den Such-Elementen.

Da es beim Jagility erwünscht ist, das der Hund an geeigneter Stelle seinem natürlich verankerten Jagdinstinkt freien Lauf lässt, eignet sich der Hundesport auch ideal als Beimischung für ein abwechslungsreiches Jagdersatzbeschäftigungsprogramm. Demnach gilt Jagility für jagdpassionierte Hunde/Rassen als willkommene Jagdersatzaktivität, um auf kontrollierte Weise den Jagdtrieb gezielt anzusprechen und das Beutefangverhalten in eine geeignete Beschäftigung umzuleiten. Auch für ausgebildete und aktiv geführte Jagdhunde, kann das Jagility außerhalb der Jagdsaison zur "jagdlichen" Auslastung mit beitragen. So kann der Hund sich beim Jagility hundgerecht einbringen, entfalten und ausleben. Klasse.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jagility eine tolle Beschäftigung für Hunde ist, bei der der Hund aktiv sein kann und kontrolliert der Jagdtrieb gezielt in die Lösung der Jagility-Aufgaben umgelenkt und eingebunden wird. Dabei stehen Spiel, Spaß und Sport im Fokus.

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Jagility: Geschichte

Die Geschichte um Jagility im Kurzüberblick

Wie enstand Jagility?

Die Entstehungsgeschichte des Jagility liegt weitgehend im Dunklen. Denkbar ist aber, dass die Idee dem Team einer Hundeschule gekommen ist, als sie über Möglichkeiten nachdachten, jagdlich ambitionierten Hunden eine ihren Jagdinstinkt ansprechende Auslastung zu schaffen.

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Was sind die Ziele & Voraussetzungen von Jagility?

Was sind die Ziele der Ausbildung und die Unterschiede zu ähnlichen Hundesportarten?

Wie einige andere vom Agility inspirierte inoffizielle Sportarten, so werden auch bei Jagility Parcours aus Agilityhindernissen und -geräten aufgebaut und durchlaufen. Der wesentliche Unterschied zum Agility ist neben den nicht vorhandenen Wettkämpfen und dem daher fehlenden Leistungsdruck, dass der Parcours nicht nur in beliebiger Reihenfolge durchlaufen werden kann, sondern im Parcours Futterbeutel als Beuteersatz versteckt sind. Diese gilt es aufzustöbern, aus dem Versteck zu bergen, zu apportieren und an einen bestimmten Ort, nämlich einen Tisch, zu bringen.

Neben den üblichen Gerätschaften des Agility können hier alle möglichen denkbaren Gegenstände verwendet werden, egal, ob sie aus anderen Sportarten wie Degility entliehen oder völlig neu ersonnen sind.

Das Aufstöbern bringt einen Schuss Nasenarbeit ein, während für das Apportieren ein Wenig Geschicklichkeit nötig ist. Beides spricht den Beutetrieb und das Beutefangverhalten Deines Hundes an, und fördert Eure Bindung, da er auch Deiner Führung bedarf um die Überwindung der Hindernisse und die Tricks zur Bergung der Dummys zu lernen. Gerade das fördert auch die geistige Entwicklung Deiner Fellnase, da sie nicht nur die Tricks erlenen muss, sondern teilweise ihre Ängste überwinden muss, um ein Hindernis oder eine Aufgabe zu lösen. Eine Steigerung des Selbstvertrauens kann erfolgen und sich in Alltagsituationen günstig auswirken, als Dein Hund gelassener auf Stresssituationen reagiert und Dir die Lösung von Problemen auch dann zutraut, wenn ihr nicht im Parcours seid.

Einige der Geräte, vor allem die aus anderen Sportarten bekannten, wie die Wippe, fördern die Behändigkeit, das Körpergefühl und die -beherrschung sowie den Gleichgewichtssinn Deines Vierbeiners.

Jagility wird Deinen Hund auch mehr als Auslasten, da die Kombination aus körperlicher und geistiger Arbeit für ihn auf positive Art anstrengend ist. Last but not least ist auch die Arbeit mit der Nase, die ihn ja zur Futterdummy-Beute führt, sehr anstrengend.

Interessant ist Jagility auch in seinen „Umweltvarianten“ Waldjagility und Stadtjagility. Hierbei wird statt auf einen künstlich aufgebauten Parcours auf die Hindernisse zurückgegriffen, die sich in der Umwelt finden, was eine kurze Jagility-Sequenz als zusätzliche Auslastung in jedem Spaziergang möglich macht.

Anforderungen an Hund und Mensch

Da der Parcours und die Aufgaben frei gewählt werden können, kann Jagility eigentlich von allen Hund-Mensch-Teams trainiert werden. Grundvoraussetzung sollte aber sein, dass sich Hund und Halter miteinander beschäftigen und aktiv werden möchten. Der Hund sollte außerdem Spaß an der Arbeit mit der Nase haben und Apportieren können.


Geeignete Rassen für Jagility

( Um die Rassebeschreibung der ausgewählten Rasse lesen zu können, bitte auf das Bild klicken! )

Benötigte Ausrüstung

Unabdingbar ist im Grund nur, eine gewisse Anzahl an Preydummies inklusive der in diese zu füllende Leckerlies bereitzuhalten, vor allem, wenn Du Jagility in der Umwelt (im Wald als Waldjagility oder als Stadtjagility in bewohnten Gebieten) ausüben willst.

Andererseits kannst Du auch ein Vermögen für Parcours-Hindernisse und Geräte ausgeben oder Deiner Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen und eine Vielzahl von Gerätschaften für Parcours verwenden, die aber im Normalfall auch von Hundeschulen vorgehalten werden.

Von besonderem Interesse sind aber die Dummy-Verstecke, die so gestaltet werden können, dass, sie einem Gedulds- oder Intelligenzspiel ähneln. Hier ein paar Beispiele:

Der Dummy liegt in einem senkrecht an einem Baum oder sonstigem befestigten Rohr, das an verschiedenen Stellen so durchbohrt ist, dass Du einen oder mehrere Stäbe durchschieben kannst, sodass der Dummy nicht einfach durch das Rohr fallen kann, sondern die Fellnase erst den oder die Stäbe aus dem Rohr ziehen muss, bevor der Dummy unten rausfällt und von ihr apportiert werden kann.

Einfache Schränke mit kleinen Schubladen oder Türchen, die aufzuziehen sind, um die darin befindliche Beute ergattern zu können.

Eine Kiste aus Holz oder Pappe, auf einer Seite offen aber mit buntem Stoff oder Absperrband verhangen, durch das der Hund seinen Kopf stecken muss, um an die Beute zu kommen.

Ein einfaches Bällebad, der Dummy liegt dann irgendwo unter den Bällen.

Training im Alltag

In den täglichen Ablauf lässt sich Jagitlity am besten integrieren, wenn Du aus Euren Gassigängen einen Jagilityparcours machst und die vorhandenen Hindernisse, wie in der Stadt Parkbänke, Mäuerchen, Stühle etc. und im Wald Baumstümpfe, liegende Baumstämme oder Erdlöcher kreativ nutzt und die Dummies geschickt versteckst. Ich glaube nicht, dass Dein Hund dort lange brauchen wird um die Beute zu finden, da er einfach Deiner Duftspur folgen wird.

Training im Hundesportverein / Hundeschule

Auf dem Hundeplatz stehen Euch erfahrene Trainer und professionelle Geräte zur Verfügung. Gerade zu Beginn Eurer Beschäftigung mit Jagility ist es sehr ratsam, die Übungen gemeinsam mit einem Trainer aufzubauen. Das hilft nicht nur Deinem Hund, sondern vor allem Dir dabei, zu erkennen, wie Du Deine gesamte Kommunikation und Körpersprache als Teil der Kommandos, Dein Timing mit Deinem Parnterhund so verbessern kannst, dass die Bindung zwischen Euch tatsächlich besser wird. Auch der Aufbau von Trainingsprogrammen zur Erreichung bestimmter Ziele fällt mit einem Trainer immer leichter.

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Prüfungen & Tuniere beim Jagility

Inhalt

Offizielle Prüfungen und Turniere werden im Jagility nicht abgehalten, denn dazu müsste eine Organisation wie der VDH offizielle Regeln erlassen, nach denen dessen Mitgliedvereine solche Veranstaltungen ausrichten können. Inoffiziell kann natürlich jede Gruppe, deren Mitglieder sich unter einander messen möchten, selbst Regeln definieren und kleine Wettbewerbe veranstalten.

Anbieter

VDH: Nein
FCI: Nein
Mit VDH/FCI verbunden:
Sonstige:
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Jagility: Gesundheit & Fazit

Wichtige Gesundheitstipps für Jagility

  • Der Hund sollte vom Tierarzt gesundheitlich auf "Herz und Nieren" geprüft sein, bevor es mit dem Hundesport losgehen kann!
  • Achtsam auf kommunikative Signale des Hundes während der Sportübungen achten, um das situative Befinden und Wohlergehen im Auge zu haben.
  • Vorsicht vor physischer und mentaler Überlastung & Übertreibung beim Hundesport!
  • Kranke und verletzte Hunde sollten keinen Hundesport ausüben!
  • Pausen einplanen (auf angemessene Erholungsphasen und Entschleunigung achten)
  • Zwang hat im Hundesport nichts verloren!
  • Vorsicht bei hohen Temperaturen (Hitzegefahr)
  • Intensität und Schwierigkeitsgrad langsam steigern
  • Aufwärmprogramm (dynamische Übungen zur Vorbereitung auf die Belastungen) mit dem Hund beim Hundesport absolvieren
  • Auf ausreichende Wasserversorgung und etwaige Energiezufuhr während des Hundesports achten!
  • Der Hund muss körperlich voll entwickelt sein
  • Kein Hundesport mit trächtigen und säugenden Hündinnen!
  • Hat der Hund Übergewicht, ist die Belastung für den Bewegungsapparat und gesamten Organismus höher!
  • Gesundheit, Fitness und Vitalität beim Hund müssen für den Hundesport stimmen
  • Erhöhtes Risiko für Kreuzbandriss bei kastrierten Hunden, jüngeren Hunden und Hunden mit Übergewicht!
  • Regelmäßiger Check-up bei einem Physiotherapeuten
  • Cool Down nach dem Hundesport
  • Bei eingeschränkten (Behinderungen, Arthrose, HD, ED etc.) und älteren Hunden (Seniorhunden) auf angemessene Hundesportarten ausweichen (z.B. Crossdogging, Degility, ZOS)
  • Stets auf adäquates Equipment beim Hundesport achten, um die Verletzungsgefahr und physische Belastung auf den Hund zu minimieren

Gesundheitsrisiken

Da weder Du noch Dein Hund unter Leistungsdruck stehen, solltet Ihr es langsam angehen lassen, sodass Du ein Gefühl für die Leistungsfähigkeit Deiner Fellnase bekommst und ihn weder geistig noch körperlich überforderst. Dadurch kannst Du das Verletzungsrisiko und andere Gesundheitsrisiken wie Überanstrengungen vermeiden. Auch das Design der Geräte hat großen Einfluss auf das Verletzungsrisiko. Klar sollte sein, dass die Geräte keine harten und scharfen Kanten aufweisen sollten, keine Scharniere so angebracht werden sollten, dass der Hund sich quetschen kann. Sprünge sollten weder zu weit noch zu hoch angesetzt werden und Hürden sollten leicht und beweglich sein, dass sie bei Berührung leicht runterfallen und keine Prellungen verursachen.

Insgesamt sollten die Risiken niedrig und der Spaß am gemeinsam Erlebtem enorm sein.

Weitere Gesundheitstipps und Infos zu möglichen Sportverletzungen, Risiken und Symptomen findet ihr nun aus erster Hand von unserer dogondo-Tierärztin, Vanessa Lässig, in ihrer ergänzenden Lektüre.

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