Wie bringe ich meinem Hund Impulskontrolle bei?

Durch gezieltes Training dem Hund die Impulskontrolle vermitteln

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Zuletzt aktualisiert am: 3.2.2023

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Durch eine starke Impulskontrolle kann der Hund Reizen widerstehen. Er ist dann unter Kontrolle und kann sich problemlos beherrschen, ohne dass es ihm etwas ausmacht. Wie bekomme ich den Hund so in den Griff?

Der Hundeerziehung kommt generell bei der Haltung eines Vierbeiners eine große Bedeutung zu. Daher nehmen die Erziehung und Ausbildung des Hundes bereits in der frühen Welpenentwicklung einen substantieller Anteil der gesamten Aufgaben während der Welpenaufzucht ein. Denn auch hier stimmt das Motto: Früh übt sich.

Ziel eines jeden Hundehalters bzw. verantwortlichen Hundeführers ist es schließlich, einen führigen und gehorsamen Hund an seiner Seite zu wissen. Dies setzt allerdings einiges an zeitlichem Engagement mit intensiven Trainingseinheiten voraus - und ein entsprechender Trainingsplan muss auf den jeweiligen Hund, die vorgegebenen alltäglichen Lebensbedingungen und die angestrebte Verwendung abgestimmt werden.

Dazu zählt unter anderem, dass der Hund sich nicht von jedwedem Reiz beeindrucken lässt und er dahingehend konditioniert wird, standhaft Impulsen und Umweltreizen zu widerstehen, sich nicht ablenken zu lassen und im möglichst entspannt zu bleiben.

Durch die Impulskontrolle ist er in sich gefestigt, kontrolliert und wird in keiner Situation einfach zu ködern sein. Sprich, der Hund lernt sich zu beherrschen und Außenreizen zu trotzen. Und dies wird durch die entsprechenden Trainingswerkzeuge im Ergebnis zur Selbstverständlichkeit für den Hund, ohne Stress oder Nervosität bei ihm auszulösen.

Natürlich ist dies mitunter leichter gesagt als getan, denn jedes Hundeindividuum bringt unterschiedliche Anlagen, Wesensmerkmale und andersgeartetes Temperament mit, so dass die Wunschvorstellung eine funktionierenden Impulskontrolle bei jedem Vierbeiner einen anderen Angang bedeutet.

In den weiteren Ausführungen wollen wir uns nun anschauen, wie ihr diesem Trainingsziel einer starken und sicheren Impulskontrolle näherkommt. Viel Freude beim Weiterlesen!

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Impulskontrolle ist ein Teil der Hundeerziehung

Durch eine gute Basisausbildung und viel gemeinsames Training die Impulskontrolle vermitteln.

Ein gut funktionierender Hund an der Seite

Die Impulskontrolle ist ein Element und Lerninhalt jeder Hundeerziehung. Damit euer Hund nicht jeder Versuchung erliegt, muss er lernen durch die Impulskontrolle, Reizen zu widerstehen.

Und dies wird den Hunden beim Hundetraining in der Hundeschule, dem Einzeltraining mit dem Hundetrainer oder in Eigenregie beigebracht. Es müssen Übungen trainiert und stetig wiederholt werden, bis der Hund ohne Leine so abgerichtet ist, dass Reize ihn nicht vollkommen durchdrehen und folglich abhauen lassen, sondern durch Gehorsam ein Zurückrufen und Abrufen möglich ist. Damit folgt der Hund nicht einfach einem äußeren Impuls, sondern seinem Herrchen und Hundeführer. Die Impulskontrolle funktioniert.

Fehlt die Impulskontrolle und ist die Frustrationstoleranz niedrig, dann verursacht ein bestimmtes Ereignis, dass auf den Hund einwirkt, dass dieser seine Konzentration auf etwas eigentlich Unwesentliches fixiert. Der Hund lässt sich in dem Moment durch die geringe Frustrationstoleranz von seinen Trieben und natürlichen Instinkten leiten und gibt dem Drang nach. Bereits das pure unkontrollierte Treibenlassen wird dann für Befriedigung sorgen, was im Hinblick auf zukünftiges Verhalten problematisch sein wird, da er dann diese aus seiner Sicht tolle Erfahrung, immer wieder von Neuem erleben will.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, muss das Training zur Impulskontrolle und der frühzeitige Aufbau einer hohen Frustrationstoleranz, frühzeitig aufgenommen werden. Bis der Vierbeiner dann das erhoffte Trainingsziel erreicht und die Inhalte sicher sitzen und in der Praxis funktionieren, wird viel Trainingspensum zu absolvieren sein. Es kommt viel Arbeit und Schweiß auf euch zu, programmiert Rückschläge mit ein. Seid geduldig und nachsichtig, denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und überfordert euren Hund nicht. Hundetraining bedeutet schrittweise kleine Erfolge einzufahren, Routine aufzubauen, korrektes Verhalten durch zahlreiches Wiederholen zu verfestigen und Schwierigkeitsgrade sukzessive zu erhöhen, als auch ggf. einen Schritt zurückzugehen, um Fehler auszumerzen und vorangegangene Inhalte zu verstärken, die sicher sitzen müssen, um weitere Herausforderungen darauf aufbauend, erfolgreich erlernen und umsetzen zu können.

Um möglichst von Anfang an die richtigen Übungen und korrekte Herangehensweise anzustreben, rät es sich vor allen Dingen für Hundeanfänger und -neulinge, einen erfahrenen und kompetenten Hundetrainer einzubeziehen, der die Trainingseinheiten begleitet und etwaiger Fehler sofort korrigieren kann. 

Um euch weitere Hilfestellungen und allgemeine Praxistipps zum Aufbau des Hundetrainings an die Hand zu geben, um auch in Sachen Training der Impulskontrolle auf erfolgreiche Trainingsmethoden zurückgreifen zu können, haben wir einen gesonderten Artikel hierzu im Magazin bereitgestellt. Ihr wollt mehr hierzu erfahren, dann klickt hier.

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Was bedeutet Impulskontrolle?

Der Hund muss einem bestimmten Reiz aushalten können.

Frustrationstoleranz und Impulskontrolle lassen den Hund dem Reiz widerstehen

Im Grunde ist die Antwort auf die Frage, was bedeutet Impulskontrolle, relativ simpel.

Durch die individuelle Impulskontrolle soll der Hund auf eine bestimmte Reizeinwirkung kontrolliert bleiben, sich beherrschen und im Griff haben, dem Impuls quasi nicht nachgeben.

Dafür müssen die Frustrationstoleranz und Impulskontrolle mittels Training aufgebaut und verfestigt werden.

Ein bestimmter Handlungsimpuls wirkt also auf den Hund ein, der allerdings auf Grund der aufgebauten Impulskontrolle sich nicht aus der Reserve locken lässt und einfach einem Triebverhalten nachgibt, sondern trotz etwaiger interessanter Verlockungen, standhaft und kontrolliert bleibt.

Die Fellnase erlangt also durch den Aufbau der Impulskontrolle die Fähigkeit, auf einen Reiz nicht impulsiv und emotional anzuspringen. Er nimmt diesen zwar wahr, behält dennoch die Fassung und erliegt nicht der Versuchung. Er zeigt stattdessen, gezielt aufgebautes Alternativverhalten.

Dies verlangt einiges ab, denn durch den Verzicht dem Trigger nachzugeben, wird die Frustrationstoleranz extrem angestrengt. Kann er aber dem externen Einfluss widerstehen, so funktioniert die Impulskontrolle - der Vierbeiner bleibt trotz eines äußeren Impuls, gelassen und kontrolliert. 

Die Mechanismen der Selbstbeherrschung greifen. Der Hund hält seine Emotionen im Zaum und reagiert auf etwaige Reize nicht bzw. stoppt mit einer impulsiven Handlung.

Normalerweise würde der auf dem folgenden Foto abgebildete Jagdhund auf Grund seines ausgeprägt angelegten Jagdinstinkt auf den Raubvogel impulsiv reagieren, spätestens wenn dieser zum Flug ansetzt und damit Bewegung in die Situation käme. Ein instinktives Verhalten wäre die Folge, denn der Vierbeiner würde versuchen die Beute zu schnappen. Die antrainierte Impulskontrolle hingegen unterbindet das triebhafte Verhalten. Der Hund lernt den Impuls zu kontrollieren und seinem instinktiven Jagdverhalten in diesem Fallbeispiel, zu widerstehen.

Mittels der Impulskontrolle und der hoch ausgeprägten Frustrationstoleranz, bleibt der Hund trotz jeglicher Anreize, Lockmittel und Verführungen kontrolliert. Er gibt nicht einfach nach, lässt sich gehen und befriedigt sein Ansinnen, sondern verharrt, bis sein Rudelführer ihm ein Zeichen, Befehl oder Kommando gibt. Beispielsweise bei der Fütterung mit einem Freigabebefehl, damit der Hund mit dem Fressen loslegen kann - bis zum Ertönen des Freigabesignals muss er trotz dem Futter im Napf und dem übermannenden Verlangen der Bedürfnisbefriedigung ausharren und dem eigentlichen instinktiven Verhalten des Hereinschlingens widerstehen, egal wie ihm das Wasser im Mund zusammenläuft und ihn sabbern lässt. Ebenso wird es dem einen oder anderen Vierbeiner einiges abverlangen, wenn es an der Tür klingelt und sich Besuch ankündigt. Idealerweise hat der Hund auf seinem Platz, trotz aller Neugier und Freude, zu verbleiben. Erst wenn der Besuch das Haus und in der Folge Wohnzimmer betreten hat, wird der Halter den geeigneten Zeitpunkt abpassen, um seinem Vierbeiner die Freigabe zu erteilen, damit er nun die Personen begrüßen und beschnüffeln darf. Bis dahin werden die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz dafür sorgen, dass er jedwedem innerlichen Verlangen trotzt und auf seinem Platz wie erlernt wartet. 

Wie wichtig am Ende des Tages die Impulskontrolle für den eigenen Vierbeiner und seine Umwelt sein kann, veranschaulichen weitere Beispiele, die in einem normalen Hundealltag Gang und Gäbe sind:

Kommen wir nochmals zu einem der existentiellsten Bedürfnisse von Hunden zurück, nämlich dem Fressen und damit erzeugenden Sättigungsgefühl. Generell sind Hunde keine Kostverächter und lieben es zu Futtern. Manche Hundeindividuen verschlingen alles was ihnen in die Quere kommt, wodurch entsprechende Trainingsmaßnahmen wie ein Antigiftködertraining für manchen Hund unerlässlich sind. Denn bestimmte Trainingsinhalte und eine starke Impulskontrolle können hier das Leben des Hundes retten oder ihn zumindest vor schlimmen Verletzungen und Vergiftungen schützen. Schnüffelt der Vierbeiner bei der Gassirunde im Feld umher und findet etwas Leckeres, so wird er sich ohne Impulskontroll- und Antigiftködertraining über das Gefundene hinwegmachen und es ruckzuck sich einverleiben. Handelt es sich nun um einen ausgelegten Giftköder, so werden die Konsequenzen u.U. dramatisch sein. Mit den richtigen Übungen wird er aber soweit gebracht, möglichst generell nichts Fressbares anzurühren, dem Leckerbissen durch das Kontrollieren des inneren Impuls zu widerstehen, bis er eine ausdrückliche Freigabe von seinem Herrchen erhält.

Ferner ist eine gut angelernte und funktionierende Impulskontrolle im Alltag auch bei den Hunderunden im Hinblick auf etwaig unkontrolliertes Beutefangverhalten, in Verbindung mit einem Abbruchsignal und sicheren Rückruf, extrem wichtig. Besonders wenn der Vierbeiner von der Leine gelassen wird und seine Umwelt frei erkundet, fehlt der Zugriff über die Leine, wenn der Vierbeiner von einer Wildfährte ergriffen ist oder gar direkten Sichtkontakt mit einem Hasen oder Reh in unmittelbarer Umgebung hat. Gerade bei Hunden mit starkem Jagdtrieb braucht man wenig Fantasie, um zu erahnen, was dieser Reiz mit dem Vierbeiner und dessen Trieben innerlich anstellt. Im schlechtesten Fall zeigt der Vierbeiner nun unerwünschtes Verhalten, da er dem Reiz des aufgenommen Duftes der Wildspur oder dem gesichteten und zur Flucht ansetzenden Hasen erliegt. Egal wie, er läuft weg und verselbständigt sich, in dem er unkontrolliert dem Außenreiz folgt und nachgeht. Gerade beim Nachjagen von Wild bedeutet dies einerseits verbotenes Verhalten, da es sich um Wilderei handelt, die in letzter Konsequenz sogar zum Abschuss des Hundes durch jagdausübungsberechtigte Personen, führen könnte. Ferner kann das Jagdverhalten aber auch noch viel schlimmer ausarten und von seiner Tragweite unbeteiligte Personen in Mitleidenschaft ziehen. Verfolgt der Hund auf Grund fehlender oder versagender Impulskontrolle, angestachelt und getrieben durch den Anblick des Wilds, den Hasen oder das Reh, überquert beim Hetzvorgang eine dichtbefahrene Straße und es kommt zu einem Verkehrsunfall, so können Fahrzeuginsassen, Fußgänger und Fahrzeuge verletzt, beschädigt oder gar zu Tode kommen. Durch eine etwaige Kollision mit einem Auto, ist zudem der Tod des Vierbeiners ebenfalls im Bereich des Möglichen. Im Idealfall würde der Hund der Wildspur oder dem gesichteten Wild keine große Beachtung schenken, da er über eine starke Impulskontrolle verfügt. Sollte er dennoch sich zu impulsivem Reaktionsverhalten abdriften lassen, zum Jagen ansetzen und durch den Reiz sich bereits in seiner eigenen hochemotional gesteuerten Welt befinden, so braucht es die richtigen Instrumente wie ein Abbruchsignal und den sicheren Rückruf, um seine Aufmerksamkeit und Interesse wiederzugewinnen und ihn zu sich abzurufen. Auch hier wirken dann die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz in immenser Stärke, schließlich wird der Vierbeiner quasi wachgerüttelt und soll Kehrtwende machen und zum Hundeführer zurückkommen. Dies ist dann die Königsdisziplin in Sachen Gehorsam und Selbstbeherrschung.

Kurz: Mit der Impulskontrolle will man erreichen, dass der Hund impulsives Reagieren auf Reize unterlässt, sich im Griff hat und ggf. von etwaigem impulsiven Verhalten ablässt. Er widersteht also einem inneren Antrieb und lässt sich nicht von einem Umweltreiz verleiten, sondern kann diesen Impuls selbständig kontrollieren.

Die Impulskontrolle muss situativ anhand verschiedener Ereignisse und Reize trainiert und aufgebaut werden. Denn nicht jeder Impuls wirkt gleich, da natürlich die individuellen und spezifischen Anlagen eines jeweiligen Hundes einbezogen werden müssen.

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Funktioniert die Impulskontrolle in jeder Situation gleichermaßen?

Die Impulskontrolle und Frustratinstoleranz müssen für jede Situation individuell trainiert werden.

Die Impulskontrolle ist kein Automatismus für alle Situationen

Wenn ihr mit eurem Hund die Impulskontrolle trainiert und entsprechende Übungen in der Hundeschule oder in der freien Natur macht, werdet ihr ihn immer spezifisch auf eine bestimmte Situation ausbilden.

Es wird somit die Selbstbeherrschung, ein kontrolliertes Verhalten und eine hohe Frustrationstoleranz des Hundes in einer ganz konkreten Situation antrainiert. 

Sprich, jegliche Reize und Alltagssituationen, in denen die Impulskontrolle unerwünschtes Verhalten vermeiden und der Hund den Triggern widerstehen und diese ignorieren soll, müssen nach und nach erlernt und trainiert werden. 

Dies bedeutet, dass die bereits antrainierte Impulskontrolle in Verknüpfung mit einem spezifischen Verhalten nicht übertragbar ist auf alle anderen Verhaltensmuster, in denen er ebenfalls seinen Drang und seine Emotionen im Griff haben soll und keine impulsive Reaktion auf den Außenreiz mehr erwünscht ist. Jedes Ereignis in der die Kontrolle etwaiger Impulse also sitzen und funktionieren soll, muss eigens erlernt und und für sich genommen trainiert werden.

Was wir damit meinen, wollen wir anhand von ein paar Beispielen verdeutlichen:

Euer Wunsch ist es, dass bei dem täglichen Fressritual euer Hund lernt, euch bei der Zubereitung nicht ständig anzuspringen, völlig enthemmt und gierig versucht schnellstens an den Napf mit seinem Futter zu kommen.

Sicherlich strebt ihr an, euren Hund hier mittels der Impulskontrolle beizubringen, dass er ruhig in einer bestimmten Position verharrt und wartet, bis ihr durch ein Signal ihm verdeutlich, dass sein Napf zum Fressen freigegeben ist. Denn ihr bestimmt idealerweise stets Anfang und Ende jeglicher Aktivität des Vierbeiners.

Funktioniert dies so wie gewünscht, so erliegt er durch entsprechendes Training und die daraus resultierende Selbstbeherrschung der Verlockung des Futter, bis ein Folgebefehl von euch die Freigabe erteilt. 

Oder aber ihr seid mit eurem Hund mit dem Auto unterwegs. Am Zielort angekommen, öffnet ihr den Kofferraum und euer Hund springt unbeherrscht heraus, um sofort die Umgebung zu inspizieren. Dieses Verhalten ist total impulsiv und unkontrolliert. Hier muss der Hund im offenen Fahrzeug sitzen bleiben, bis sein Rudelführer ihm das entsprechende Signal zum Aussteigen gibt. Dann sprechen wir über die richtige Impulskontrolle.

Ein weiteres Beispiel ist das tägliche Vorbereiten auf die Hunderunde. Es gibt Hunde, die sich zwar freuen, dass es gleich zum Gassigehen losgeht, aber die Impulskontrolle für dieses Ereignis bereits erlernt haben und eine wartende Position einnehmen, bis sie eine Instruktion von Herrchen erhalten und dieser den trainierten Befehl zum Aufbruch gibt. Und dies funktioniert trotz positiver Erregung und obwohl der Vierbeiner sich im Grunde frei bewegen könnte, schließlich ist er nicht angeleint. Er nimmt stattdessen aufmerksam Blickkontakt zu seiner Bezugsperson auf und wartet in der trainierten Sitz- oder Platzposition, bis das konditionierte Handzeichen, akustische Signal oder Kommando ertönt - erst dann darf der Vierbeiner aufspringen und sich schwanzwedelnd zur Haustür bewegen. Läuft dieser Prozess so wunschgemäß routiniert ab, so hat der Vierbeiner die Impulskontrolle und den gesamten Verhaltensablauf verinnerlicht.

Nicht anders funktioniert die Impulskontrolle, wenn ihr unterwegs Freunde von Weitem seht und nun vermeiden wollt, dass euer Hund unbeherrscht vor Freude auf die Personen zustürmt und sie anspringt. Idealerweise greift ihr auf die Instrumente des Gehorsam zurück. Der Hund soll neben euch Sitz machen und sich auf euch konzentrieren, sprich Blickkontakt aufnehmen und zu euch aufschauen, in Erwartung etwaiger Folgeanweisungen. Erst wenn ihr meint, dass der angemessene Zeitpunkt gekommen sei, erhält nun der Vierbeiner eine erneute Freigabe, darf sich rühren und die Freunde begrüßen - natürlich ohne diese anzuspringen. Mehr zu diesem unerwünschten Verhalten und wie ihr dieses vermeidet, könnt ihr in unserem ergänzenden Artikel nachlesen.

Ihr habt einen Hund mit ausgeprägtem Jagd- oder Spieltrieb? Beide können zu häufigem unerwünschten Verhalten während dem Spaziergang im Wald oder im Ort führen, wenn euer Vierbeiner impulsiv reagiert, sollte ein Reh aus dem Gebüsch spingen und euren Weg kreuzen oder aber die schwarze Katze in der Parallelstraße das Interesse eures Hundes weckt. Wünschenswert ist aber in beiden Situationen, dass der Vierbeiner diesen Stimuli widersteht und sich trotz des etwaigen inneren Antriebs  und seiner natürlichen Instinkte kontrolliert und beherrscht. Eben die für beide Fälle erlernte und antrainierte Impulskontrolle sicher funktioniert - im Sinne der artfremden Tiere, eures Hundes und etwaiger unbeteiligter Personen, die allesamt durch unkontrolliertes Triebverhalten gefährdet werden könnten.

Solltet ihr an dieser Stelle schon soweit sein und euer Hund auf diese Situationen im Hinblick auf eine funktionierende Impulskontrolle trainiert sein, dann Glückwunsch!

Allerdings heißt dies noch lange nicht, dass ihr die Arbeit mit eurem Hund einstellen könnt und der Hund automatisch bei jedem anderen Ereignis die Impulskontrolle auf das neue Ereignis überträgt und ein ebenso wunderbares kontrolliertes Verhalten an den Tag legt. Nein, leider nicht.

Es ist kein Automatismus den man hier antrainiert. Die Impulskontrolle müsst ihr für jede gewünschte Situation mit dem Hund üben, bis er alle gewünschten Verhaltensweisen situationsbedingt verinnerlicht und eingeprägt hat.

Solltet ihr also wünschen, dass euer Hund die gleiche Ruhe und Ausgeglichenheit präsentiert, wenn er spielende Kinder mit dem Ball, einen weglaufenden Hasen auf dem Feld oder den herannahenden Artgenossen sieht, dann ist es eure Trainingsaufgabe, jegliche Impulskontrolle für jede spezifische Situation individuell einzustudieren, bis das gewünschte Verhalten verfestigt und automatisiert ist.

Abschließend wollen wir euch noch auf einen ergänzenden Magazinartikel mit dem Titel "Führung - Freifolge - Hund-Mensch-Bindung, der sichere Rückruf und die Konditionierung – wie hängt das alles zusammen?" hinweisen, durch dessen Lektüre ihr noch tieferes Verständnis für die Impulskontrolle und den Zusammenhang mit weiteren Elementen des Gehorsams und der Zusammenarbeit Hund-Mensch erhalten werdet - inklusive hilfreicher Praxistipps.

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Worauf ist bei erfolgter Impulskontrolle des Hundes zu achten?

Für die Impulskontrolle muss der Hund unwahrscheinlich viel Energie aufwenden.

Die Impulskontrolle verlangt dem Hund viel ab

Ihr habt soeben mit eurem Hund erfolgreich die Impulskontrolle in Zusammenhang mit einem bestimmten gewünschten Verhalten situativ erfolgreich angewendet. Super. Es funktioniert und ihr könnt stolz auf den Hund sein.

Nun hat euer Hund wirklich viel geleistet. Viel geleistet, da er für sein kontrolliertes Verhalten eine enorme Energie aufwenden musste. Es war eine erhebliche Anstrengung. Körperlich wie auch geistig/mental.

Das Ausüben der Impulskontrolle erschöpft euren Hund in gewisser Weise, wodurch er nicht direkt in der Lage sein wird, sofort in einer folgenden Situation gleichermaßen gut zu funktionieren.

Er braucht eine Erholungszeit, Ruhe und muss seine Batterien physischer und psychischer Natur aufladen.

Wenn ihr also mit eurem Hund die Impulskontrolle trainiert und übt, muss euch bewusst sein, dass ihr die verschiedenen Situationen, in denen er die Impulskontrolle draufhaben soll, zeitlich versetzt ausüben und auch während des Training einstudieren solltet. Sonst wird er überfordert und überanstrengt.

Euer Hund braucht zwischen den unterschiedlichen Ereignissen und Trainingssequenzen eine Rehabilitationszeit, um sich zu erholen und regenerieren.

Die Impulskontrolle als gewünschtes Verhaltensmuster des Hundes ist zu betrachten wie eine Ressource, die nicht unendlich ist und über die der Hund nur begrenzt verfügen kann. Dies muss euch bewusst sein, dass er durch die situativ anfallende kontrollierte Beherrschung, das angelegte Depot der Impulskontrolle auch aufbrauchen kann und u.U. damit in einem nachfolgenden Ereignis die Selbstbeherrschung gestört oder gar versagen kann.

Es könnte also in der Praxis auf der Hunderunde in einem akuten Fall passieren, dass die Impulskontrolle des Vierbeiners zweimal hintereinander bei völlig unterschiedlichen Ereignissen erwünscht funktioniert und gegriffen hat, nun aber der Vorrat aufgebraucht ist und der Vierbeiner bei einem folgenden Ereignis, beispielsweise ein Hase oder Katze euren Weg kreuzen, er impulsiv durch den Reiz reagiert, die Schotten runterfallen, er in einem hochemotionalen Zustand der Erregung ist, fortläuft und das Tier jagt und hetzt.

Daher sollte mit der Impulskontrolle dosiert umgegangen werden, damit sie auch in Notsituationen voll funktionsfähig bleibt und ihre erwünschte Wirkung erzielt.

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Welche Wesensmerkmale sind hinderlich für das Erlernen der Impulskontrolle?

Ein unausgeglichener, stressiger, ängstlicher & aggressiver Wesenszug ist hinderlich.

Ein ausgeglichenes Temperament ist für die Impulskontrolle förderlich

Jede Hunderasse und jede Art von Hunden, ob Rassehund, Hybridhund oder Mischlingshund bringt unterschiedliche Anlagen, körperliche Eigenschaften und charakterliche Merkmale mit. Um mehr über die physischen und psychischen Voraussetzungen der Hunderassen zu erfahren, stehen euch unsere Rasseporträts frei zur Verfügung.

Solltet ihr bereits einen Hund haben, der vom Wesen eher nervös, umtriebig und/oder äußerst temperamentvoll ist, wird das Erlernen der Impulskontrolle u.U. zur Herausforderung. Hunde die unter Stress leiden, woher dieser auch immer herkommt, wird ebenfalls ein Hemmnis darstellen. Der Weg zum Ziel kann schlichtweg hollpriger werden, da diese Vierbeiner oftmals sehr impulsiv auf jegliche Reize und Umwelteinflüsse anspringen.

Auch durch ein bestimmtes Ereignis herbeigeführte Erregung, ob positiv oder negativ, kann den Hund vor dem optimalen Funktionieren der Impulskontrolle ablenken. So sind besonders Momente, die Aggressions- oder Angstverhalten hervorrufen, Gift für die Impulskontrolle.

Diese Hundetypen neigen eher dazu überimpulsiv zu sein, was dem Erlernen und/oder der Funktionalität in der Praxis entgegensteht, da hier ein Impulsiv-Verhalten kontrolliert und jederzeit folgsam abgebrochen werden muss.

Hunderassen und Hunde, die dagegen sehr ausgeglichen, wesensfest und nervenstark sind, kann man bei der Ausbildung der Impulskontrolle deutlich einfacher erziehen und trainieren.

Weiterhin gibt es natürlich auch immer wieder Hunde, die einfach schwerer zu erziehen sind und mitunter sogar zu Fehlverhalten neigen. Schließlich tickt jeder Hund anders und ist anders veranlagt. Auch hier wird das rasche und komplikationsarme Erlernen der Impulskontrolle sicherlich schwieriger. Habt ihr also einen Kandidaten an der Seite, mit dem ihr in Sachen Impulskontrolltraining oder generell beim Hundetraining auf Probleme stößt, die Erfolge sich nicht einstellen oder ständig Rückschläge einsteckt, so ist es ratsam mit Hilfe eines erfahrenen und kompetenten Hundeprofis, der Ursache auf den Grund zu gehen. Denn nicht immer liegt es am eigenen Hund...

So können Kommunikationsdefizite, Ungeduld, gestresste Stimmung, Dissonanzen in der Hund-Mensch-Beziehung, mangelnde Sachkenntnis, unzureichende Basiserziehung etc. dazu führen, dass erwünschte Trainingsergebnisse im Hinblick auf die Impulskontrolle ausbleiben oder gar versehentlich falsch angegangen wird - dies ist nur allzu menschlich und kann jedem Hundefreund passieren.

Neben den Wesenseigenschaften und individuellen Anlagen, spielt auch das jeweilige Alter des Hundeindividuums eine Rolle. Gerade Hundewelpen und Junghunde, die teilweise noch sehr verspielt, erkundungsfreudig, neugierig und im Hinblick auf einwirkende Reize sich schnell ablenken lassen, sind sowohl beim Impulskontrolltraining wie auch beim Anwenden der Impulskontrolle im Akutfall, mitunter etwas fehleranfälliger.

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Wie sollte ich beim Trainieren der Impulskontrolle am besten vorgehen?

Die Impulskontrolle dosiert trainieren.

Den Hund mit dem Training der Impulskontrolle nicht überfordern

Es gibt einige Dinge, die ihr im Vorfeld des Trainings der Impulskontrolle zu beachten sind.

Wie bereits erwähnt, ist der Speichervorrat der Impulskontrolle irgendwann aufgebraucht und euer Hund muss sich psychisch und physisch ausruhen und regenerieren.

Da dies der Fall ist und euer Hund nicht über unendlich viele Impulskontrollen am Stück verfügen kann, macht es Sinn, sich als verantwortungsvoller Hundebesitzer genau zu überlegen, wann, wie und wo es von oberster Priorität ist, dass die Impulskontrolle funktioniert und nicht erschöpft ist, somit situativ im gewünschten Umfang seines Verhaltens abgerufen werden kann.

Kurzum, macht euch einen genauen Plan, welche Verhaltensmuster ihr in welcher Situation unbedingt benötigt. Hier sind sicherlich Situationen, die zu Risiken und Gefahren für andere Tiere und Menschen ausufern können, bedeutsamer, als dass der Hund eine gefühlte Ewigkeit vor seinem Napf oder der Haustür ausharrt, bis das entsprechende Signal seines Herrchens kommt.

Weiterhin solltet ihr euren Hund beim Trainieren der Impulskontrolle auf Grund der geschilderten Tatsachen, dass die Impulskontrolle von der Ressource endlich ist und damit nicht unbegrenzt viele hintereinander folgende Situationen bewältigt werden können, das Training splitten.

Überfordert euren Hund beim Hundetraining und den Übungen nicht. Behutsam und mit viel Bedacht erreicht man häufig mehr und bessere Erfolge.

Führt die gewünschten Trainingsziele dort durch, wo sie real stattfinden. Also in den Alltagsituationen. Nutzt beispielsweise eine Schleppleine und begebt euch in die Nähe der Problemzone, um eurem Hund die reellen Trainingsbedingungen zur Verfügung zu stellen. Dann wird die Impulskontrolle anhand des Ereignisses, welches zukünftig ein kontrolliertes Verhalten des Hundes auslösen soll, geübt.

Wenn dies soweit mehrfach trainiert wurde, reicht es auch vollkommen für den heutigen Tag aus, damit euer Hund nicht überfordert wird. Kurze Übungssequenzen sind deutlich ergebnisorientierter und effektiver, als den Hund ständig an die Grenzen des Unmöglichen zu bringen.

Das Training wird den größten Erfolg liefern, wenn ihr mit eurem Hund ein gut abgestimmtes Team bildet, dass auf einer festen Beziehung und Bindung aufgebaut ist.

Je mehr Vertrauen der Hund in euch als Leitfigur hat, desto mehr folgt er euch. Vermittelt ihm durch euren souveränen, konsequenten und disziplinierten Führungsstil und entsprechende Auftreten, die Sicherheit, die er benötigt. Geduld und Nachsicht sind gut Ratgeber, um Stück für Stück dem angestrebten Ziel näherzukommen.

Je besser ihr euren Hund kennt und dessen Ausdrucksverhalten lesen und damit Verhalten frühzeitig antizipieren könnt, desto besser seid ihr in der Lage auf ihn, seine Bedürfnisse und Anliegen sowie sktuelle Stimmung einzugehen und angemessen zu handeln. 

Die Kommunikation Hund/Mensch ist dabei ebenfalls ein ganz wesentlicher Baustein, damit ihr mit eurem Hund möglichst reibungslos interagieren könnt und dabei ein und dieselbe verständliche Sprache sprecht. Denn häufig scheitert es an Missverständnissen und Fehldeutungen. Die Folge ist im Grunde, dass man aneinander vorbei spricht, das Gegenüber durch Streuverluste etwas anderes macht wie erwünscht und sich dann beide Seiten perplex anschauen. Darunter leidet dann das erwünschte Trainingsziel, die Wirkung im akuten Praxisfall und dies führt nicht zu Letzt zu Unstimmigkeiten im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Herrchen und Vierbeiner.

Setzt euer Vierbeiner eine Trainingsübung korrekt um und zeigt abgerufenes Verhalten wunschgemäß, so lobt und belohnt ihn. Denn dies ist eine der effektivsten Methoden, um erwünschtes Verhalten durch die Belohnung zu verstärken. Was hinter der positiven Verstärkung genau steckt und wie sie innerhalb der Konditionierung des Hundes generell und hinsichtlich der Impulskontrolle am wirkungsvollsten eingesetzt werden kann, könnt ihr hier nachlesen.

Einzelne Trainingsziele und -inhalte an dieser Stelle ausführlich vom Aufbau detailliert und kleinteilig zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen, da wie gesagt die Impulskontrolle für jede unterschiedliche Situation erlernt und trainiert werden muss. Dies werden wir daher zu gegebenen Zeitpunkt fallbezogen in unseren Trainingskarten tun.

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